Schwanger in Kanada

Meine liebe Leserin Melanie lebt seit vielen Jahren im wunderschönen Kanada. Als sie vor vier Jahren ihr erstes Kind erwartet, zeigt sich, dass in Kanada so einiges anders läuft… Aber lest selbst!

Melanie findet ihr bei Instagram unter Oh wie schön ist Kanada

 

Meine Schwangerschaft, Geburt
und das Leben mit Kind in Kanada

Zum Zeitpunkt meiner Schwangerschaft lebte ich bereits seit über sechs Jahren in Toronto, hatte meinen Traumjob und war sehr glücklich in meiner Beziehung. Kanada war mein absolutes Lieblingsland, nicht nur wegen den unglaublich freundlichen und offenen Menschen hier, der toleranten Politik des “Multiculturalism”, …. auch im Fernsehbereich (ich arbeite als TV-Redakteurin) konnte ich hier an den meiner Meinung nach aufregendsten und faszinierendsten Sendungen mitarbeiten.

Ein Kind bekommen in Kanada stellte also für mich auf den ersten Blick kein Problem dar – zwar hatte ich immer wieder Heimweh nach meiner Familie, dachte aber, dass ich auch mit Baby genauso mobil bleiben würde.

Allerdings merkte ich schnell, dass eine Schwangerschaft hier doch ziemlich anders abläuft als in Deutschland. In Kanada hat man die Qual der Wahl: entweder man entscheidet sich, dass eine Hebamme einen während der Schwangerschaft und Geburt begleitet, oder man bleibt in den ersen Monaten der Schwangerschaft bei seinem “Family Doctor”, also Hausarzt und wird dann u. U. während der Schwangerschaft zum Gynäkologen überwiesen. Der Family Doctor kümmert sich hier um alles (auch um gynäkologische Fragen), hat aber nur ein “allgemeines Wissen” und wenn es spezifischer wird, stößt er schnell an seine Grenzen.  Daher hat man beim Gang zum Arzt hier selten das Gefühl, eine richtig kompetente und detaillierte Betreuung zu bekommen. Auch haben Hausärzte für einen Patienten maximal 15 Minuten Zeit. Fachärzte gibt es zwar, aber man muss schon ein richtig ernstes Anliegen haben, um zum Facharzt überwiesen zu werden.  Und dann dauert es locker 3-6 Monate, bis man einen Termin bekommt.  Grund für diese “Zustände” ist “Medicare Canada”, das öffentliche Gesundheitsystem, das jedem Staatsbürger kostenlos zur Verfügung steht. Klar ist es unheimlich toll, dass jeder Kanadier ein Anrecht auf Krankenversorgung hat, aber die Leistungen sind dafür eben im Vergleich zu Deutschland einfach viel schlechter, mal ganz abgesehen von den oft veralteten Praxen und Krankenhäusern.

Besonders in der Schwangerschaft fehlt einem als Deutsche in Kanada die Betreuung vom Gynäkologen UND der Hebamme. Außerdem gibt es nur wenige Ultraschall-Untersuchungen. Diese werden hier nicht vom Arzt durchgeführt – man muss zu einer separaten “Ultraschall-Klinik”, in denen Ultraschall-Techniker den Ultraschall durchführen, einem aber nicht viel Auskunft zu den Ergebnissen geben dürfen. Das muss dann der Arzt oder die Hebamme beim nächsten Termin übernehmen. Alles scheint  – wenn man das deutsche, sehr effiziente System kennt – extrem umständlich.

Die Geburt selber wird dann – sollte man sich, wie ich, für die Hebamme entschieden hat – von ihr betreut, und falls es Komplikationen gibt, wird an die Ärzte im Krankehaus übergeben. Nach der Geburt bleibt man meist nur eine Nacht im Krankenhaus, danach geht es direkt nach Hause.

Die Hebamme kommt in den ersten sechs Wochen nach der Entbindung ein paar Mal zu Hause vorbei, um nach allem zu schauen. Ich war so froh, dass ich mich für die Hebamme entschieden hatte, denn sonst hätte ich diesen Vorteil nicht nutzen können. Gerade beim ersten Kind und nach nur einer Nacht im Krankenhaus braucht man doch die Nachbetreuung und den Rat der Hebamme sehr.

Nach der Geburt unseres Sohnes habe ich die Heimat fürchterlich vermisst – so stark wie noch niemals zuvor. Vor allem aber meine Familie und meine besten Freunde – denen wollte ich doch meinen Sohn vorstellen, und das war erst einmal nicht möglich. Nach drei Monaten habe ich es nicht mehr ausgehalten und wir sind zusammen nach Deutschland geflogen, der Start vieler Flüge, die mein Sohn mit Bravour meistert – mittlerweile ist er geübter Vielflieger. Wir verbrachten in den letzten Jahren so viel Zeit in Deutschland wie nur möglich – so hat er ein enges Verhältnis zu seinem Opa und den Menschen, die mir ganz nah und wichtig sind, aufgebaut. Und: er spricht fließend deutsch, denn ich habe ganz strikt von Anfang an nur deutsch mit ihm gesprochen und ziehe das auch weiterhin so durch.

Unser Sohn ist Deutsch-Kanadier und hat nun mal zwei Heimatländer. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir uns eingegroovt haben, aber nun finden wir es einfach großartig, dass wir ihm die besten Seiten beider Länder mitgeben dürfen, eben “the best of both worlds”.

 


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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Bericht! Ich find es so toll wenn Kinder zweisprachig aufwachsen. Gerade die Kombi Deutsch-Englisch bietet ihnen soviele Möglichkeiten.

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at – Fotografie & Reiseblog

  2. Ein prinzipiell schöner Bericht, aber er ist sehr sehr oberflächlich gehalten und so wirklich hat er keinen Mehrwert für den Leser. Alles wurde nur angeschnitten, schade!

  3. Ich verstehe jetzt nach dem Lesen noch nicht Recht waschen meinst mit „best of both worlds“ ?

    1. Das beste von beidem eben – das Beste aus Deutschland und das Beste aus Kanada. 🙂

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