Geburt per Kaiserschnitt –
„Bin unter Tränen eingeschlafen,
bin unter Tränen wieder aufgewacht!“

„Bin unter Tränen eingeschlafen, bin unter Tränen wieder aufgewacht!“


Ein Gastbeitrag von Carina, Mama von zwei kleinen Jungen!
HIER findet ihr sie bei Instagram.

03.08.2017

Meine Frauenärztin hatte mir den Tag zuvor aus verschiedenen Gründen eine Überweisung zur Einleitung ausgestellt.

Nach einem morgendlichem CTG, dem Besprechen des Ablaufes und dem Mittagessen bezog ich mein Zimmer. Nun hatte ich Zeit mich auszuruhen. Ausruhen, was ist das?? Ich hatte Zeit ein Buch zu lesen. Hallo, ein Buch !! Mütter wissen, was ich meine. 😉

Um 14.15 waren auf dem CTG  die ersten Paar kleinen Wehen zu sehen, aber nichts Muttermundwirksames. Um 14.30 kam ein Assistenzarzt, untersuchte mich (Muttermund ein Finger durchlässig, nichts neues), legte die Tablette, die wirklich klein ist, aber dennoch unfassbar weh tat. Ab jetzt musste ich eine Stunde am CTG bleiben, um Leo’s Herzchen im Auge zu behalten. Wehenmäßig war da nichts Nennenswertes zu sehen. Am nächsten Tag würde es dann weiter gehen, mit zweimal einer halben Tablette – man beschrieb es mir als schonender für alle Beteiligten. Klingt logisch, ist ok so für mich – dachte ich. 

Nachmittags besuchten mich Max, mein kleiner Sohn, und meine Eltern. Wir genießen das schöne Wetter im Krankenhauspark und ich bin sehr bemüht, viel zu laufen und wenig zu sitzen. Max freute sich darüber. Es standen den Tag noch viele weitere CTG’s an, die aber alle erst einmal nichts Nennenswertes hervor brachten. Max sollte die Nacht bei meinen Eltern schlafen, falls Thomas in der Nacht ins Krankenhaus kommen müsste. Bis dahin glaubte ich daran allerdings noch nicht.  Meine Freundin Sabrina kam mit Eis vorbei und ich genoss es, mal in Ruhe mit ihr ein Schwätzchen halten zu können.

19 Uhr, CTG, lediglich ein paar leichte Wehen zu sehen. Ich begleitete Sabrina zum Ausgang, lief die Treppen vom 4. Stock runter und auch wieder hoch. Hört man ja immer – das soll helfen. Nächstes CTG + Untersuchung um 22 Uhr.

Kaum im Zimmer angekommen, wurden die Wehen und der Druck nach unten deutlich spürbar. Ich fing schon an, ein wenig zu veratmen, das hatte ich mir nach Max‘ Geburt fest vorgenommen: Dieses Mal achtest du mehr auf die Atmung.  Ich ging noch schnell duschen und bemerkte den Abgang des Schleimpropfs mehr als deutlich.

Zurück im Kreißsaal waren die Wehen auch auf dem CTG zu sehen und ich wurde erneut untersucht. 4 cm!
Die Hebamme gab mir, auf meinen Wunsch hin, eine Spritze gegen die Schmerzen. Geholfen hat das allerdings nichts. Für die Zeit des CTGs musste ich liegen, das war kaum auszuhalten.

Zurück im Zimmer musste ich die Wehen nun schon deutlicher veratmen und ging auf und ab, auch wenn sich das schwierig gestaltete. Ich spürte meine Wehen am deutlichsten in den Oberschenkeln. Um 23.28 rief ich Thomas an, dass er kommen sollte. Kurz darauf im Kreißsaal untersuchte mich die Hebamme (Muttermund 4 cm), die Fruchtblase fühlte sich für sie prall an und ich sollte nicht erschrecken, wenn sie platzen würde. 30 Minuten CTG und danach so viel wie möglich bewegen. Ich testete den Ball und hatte gerade endlich eine „gemütliche“ Position gefunden, da machte es um 00:40 Plopp und mir lief das Wasser an den Beinen entlang.  Der Druck nach unten wurde noch einmal deutlich stärker und schmerzhafter, vereinzelt hatte ich echt schon den Drang zu pressen, was ich schon von meiner 1. Geburt kannte, hielt mich aber zurück. Ich bat um eine PDA, die um 1.15 Uhr gelegt wurde. Ich sollte während des Legens bloß nicht wegzucken, so die Anweisung der Anästhesistin. Sie und ihre Kollegin kannte ich ebenfalls schon von meiner Geburt mit Max. Das klappte allerdings dieses Mal nur so mittelmäßig, ich zuckte einmal ordentlich weg. Nach einem kurzen, freundlichen aber bestimmenden Dämpfer der Anästhesistin klappte es aber. Leo ging es weiterhin gut.
Danach konnte ich fast entspannen, die PDA war, meiner Meinung nach, super dosiert. Ich spürte den leichten Druck nach unten, konnte dadurch konzentriert und gezielt atmen während der Wehen, hatte aber keine nennenswerten Schmerzen.

Erst PDA, dann Wehentropf und Saugglocke!

Ab jetzt fehlen mir leider alle Uhrzeiten.

Die Hebamme kam immer mal wieder zu uns in den Kreißsaal um nach uns zu sehen, Thomas unterstütze mich, so gut es ging und versorgte mich mit Wasser. Die Hebamme untersuchte mich und irgendwann kam dann endlich die schöne Nachricht, der Muttermund wäre nun komplett geöffnet. Ab jetzt ging es aber leider insgesamt bergab. Die Wehen ließen nach, Leo’s Köpfchen rutschte unter den Wehen immer wieder aus dem Becken raus. „Toll“, dachte ich, „Das hatten wir bei Max schon!“ er wurde mit der Saugglocke geholt. Die Hebamme sprach mir und uns aber weiterhin Mut zu und holte die Oberärztin (und den Assistenzarzt) dazu, um mit ihnen zu besprechen, ob man Leo am Kopf Blut abnehmen müsste, um zu kontrollieren, ob es ihm noch gut ginge. Das CTG war weiterhin in Ordnung, sie beschlossen, ihn in Ruhe zu lassen.

Sie hängten mich an einen Wehentropf. Ich spürte die Wehen deutlich, die PDA wurde etwas reduziert, damit ich ein noch besseres Gespür bekommen könnte. Allerdings wurde es ab da auch ein wenig unruhiger im Kreißsaal. Irgendwann hieß es, ich sollte bei der nächsten Wehe einfach mal versuchen, ihm ein bisschen da raus zu helfen und mit zu pressen. Das wollte ich hören – ich nahm alle Kraft zusammen, schob mit, als die Hebamme ihr „Go“ gab, doch schnell machte sich in mir Enttäuschung breit. Ich weiß nicht, wie naiv ich damals gedacht habe, dass ich damit schon was bewirken könnte. Natürlich tat sich nichts. Wir wiederholten die Pressversuche noch ein paar Mal, der Wehentropf wurde noch einmal umgestellt und ich gab wirklich alles, um meinem kleinen Baby auf die Welt zu helfen. Ich wollte es doch unbedingt „besser“ machen als bei Max damals. Das Atmen fiel mir zusehends schwerer, Thomas hielt mir eine Maske mit Sauerstoff vor’s Gesicht. Ich hatte weiterhin den Ansporn, dieses Baby ohne weitere Hilfe zur Welt zu bringen und presste in allen möglichen Positionen. Mir war in dem Moment alles egal. Irgendwann sagte die Oberärztin, dass es nun endlich voran gehen müsse, das Baby sei aktuell sehr gestresst sei und die Herztöne zwischenzeitlich etwas schwächer geworden. Nach mehreren Pressversuchen (ich weiß leider die genaue Zahl nicht mehr), war klar, hier muss nachgeholfen werden. Die Oberärztin legte die Saugglocke an, ich half noch mal mit, aber es brachte nichts. Meine Energie war nun auch weg, ich bekam keine Luft mehr, mein Brustkorb zog sich zusammen und ich bekam Panik. Ich musste brechen und da der Assistenzarzt darauf nicht reagiert hat (Hebamme und Oberärztin waren zu beschäftigt), traf es ihn mit voller Wucht auf seine

…Not-Sectio
„Nein, Bauch auf, Kind raus, sofort!“,
rief der Chefarzt

Kleidung. Thomas hielt mir die Nierenschale hin und plötzlich hörte ich nur noch, wie die Oberärztin telefonierte. Sie rief u.a. den Chefarzt an und dann hörte ich ES: „Die Herztöne sind weg“. Die Panik überkam mich nun noch mehr, aber nicht wegen mir, sondern wegen Leo. „Das darf nicht sein“, dachte ich. Sie machten das Kreißbett los und ich hörte nur noch „Not-Sectio“. Ich sage euch, der Weg vom Kreißsaal zum OP ist eigentlich nicht sehr weit, aber er kam mir ewig vor. Ich musste noch mal brechen, es lief überall hin. Thomas musste vor dem Kreißsaal bleiben, es blieb keine Zeit, ihm noch irgendwas zu erklären. Aus dem Geburtsvorbereitungskurs wusste ich, dass wenn das Wort Not-Sectio ausgesprochen wurde, man genau sieben (!!!) Minuten Zeit hat, das Baby da raus zu holen. Im Fahrstuhl rief die Ärztin die Kindernotärzte an, unser Krankenhaus selbst hat keine Kinderstation und daher auch keine Kinderärzte. Ich heulte, sprach die ganze Zeit von meinem Baby und hatte solch eine Angst um ihn. „Bitte nicht“, sagte ich die ganze Zeit. Während Thomas um uns beide sehr besorgt war (obwohl es mir ja auch nicht mehr „gut“ ging, machte ich mir nur um Leo Gedanken).  Ich betete innerlich, obwohl das eigentlich gar nicht meine Art ist. Im OP angekommen, hörte ich die Oberärztin in die dunklen Räume rufen „ Wo sind die denn alle, warum ist hier denn keiner?“. Ich hörte die Panik in ihrer Stimme.

Direkt drauf kam aber schon der Chefarzt, der versuchte es auch noch mal mit der Saugglocke und rief dann nur noch: „Nein, Bauch auf, Kind raus, sofort!“.

Ich heulte und zitterte ununterbrochen. Ich lag weiterhin auf dem Kreißbett, wurde fixiert, bekam etwas zu „trinken“, das angeblich nicht so gut schmecken sollte (sagte die nette Schwester (?) zumindest so), und merkte danach schon direkt, dass ich gleich nichts mehr denken konnte. Die Narkose wirkte schon.

Als ich später so langsam wieder aufwachte, schossen mir sofort wieder die Tränen in die Augen. „Mein Baby“, hörte ich mich sprechen. Ich wollte wissen wieviel Uhr wir haben. Eine doofe Angewohnheit, ich muss das IMMER wissen. Thomas war da. Er hatte ebenfalls Tränen in den Augen und ich befürchtete das Schlimmste. Aber er sagte „ Leo lebt, es ist alles gut!“. Ich wollte ihn sehen, da erklärte er mir, das der Kindernotarztwagen ihn mitgenommen hatte, in ein Krankenhaus rund 20 km entfernt. Für mich ging die Welt unter. Ich hatte mein Baby nicht mal sehen können, durch die Vollnarkose. Thomas zeigte mir zwar Fotos und ich weiß auch, dass ich total oft sagte, dass ich ihn ja so süß fände, aber ich nickte immer wieder weg. Ich hatte Leo gar nicht richtig erkennen können auf den Fotos. Ich weinte und weinte einfach weiter.

Ein Not-Kaiserschnitt –
als ich wach werde, ist mein Baby weg!

Leo wurde um 5.02 Uhr mit 51 cm und 3245g geboren.

Irgendwann wurde ich zurück in das Wehenzimmer gebracht, davon weiß ich zwar nichts mehr, aber dort wurde ich wieder wach, und die Oberärztin kam und erklärte mir, dass Leo komplett in die Nabelschnur eingewickelt war und wir es auch mit etlichen weiteren Versuchen gar nicht geschafft hätten, ihn normal zur Welt zu bringen. Mir war es in dem Moment allerdings egal was sie sagte, ich fühlte mich „schuldig“ und das geht mir heute manchmal noch so, obwohl wir einfach wirklich keine Chance hatten.

Meine Mama kam, ich musste noch mehr weinen – sofern das überhaupt ging und auch ihr liefen die Tränen.

Alle sagten mir, dass es Leo aber erstaunlich gut ging, er direkt geschrien hatte und ich mir keine Sorgen machen sollte. Mir war es egal, was sie sagten. Ich wollte mit meinem leeren Bauch und den starken Schmerzen wenigstens mein Baby im Arm halten und nicht sowas! Man erklärte mir noch, dass der Kaiserschnitt nun (auf Grund des Notfalls) unter unsterilen Bedingungen stattgefunden hatte und ich mehrere Tage eine Antibiose bekommen müsste, um Infektionen zu vermeiden bzw. zu bekämpfen. Auch das war mir egal.

Ich kam in mein Zimmer, schlief viel, teilte allen Leuten mit, dass Leo nun endlich „da“ war und weinte weiter vor mich hin. Thomas war schlafen gegangen, auch ihm saß die Angst sehr in den Knochen. Die Hebamme der Frühschicht kam irgendwann und teilte mir mit, das Leo nicht auf die Intensivstation verlegt werden musste und Thomas ihn mittags besuchen fahren könnte. Das tat er dann auch und schickte mir viele Fotos. Ich hoffte (mal wieder sehr naiv), dass Leo am nächsten Tag (Samstag 05.08.) wieder zurück verlegt werden könnte. Als klar war, dass daraus nichts wird, entließ ich mich kurzzeitig selbst aus dem Krankenhaus, um ihn besuchen zu fahren. Das war die schlimmste und schmerzhafteste Autofahrt meines Lebens, aber ich wollte ihn endlich sehen, ihn endlich in den Armen halten, ihn küssen, ihn riechen.

Unter riesigen Schmerzen nahm ich auf dem Stuhl neben seinem Bettchen Platz und Leo wurde mir in die Arme gelegt. Die nächste Ernüchterung machte sich breit, mich überkam zwar schon ein schönes Gefühl, aber nicht dieses „WOW-Gefühl“. Später äußerte ich es wie folgt „ Die hätten mir jedes Baby in den Arm legen können, ich weiß ja gar nicht, ob das echt MEIN LEO ist“.

Leo durfte dann endlich sonntags zu mir ins Krankenhaus verlegt werden, Thomas durfte ihn abholen und kurz darauf durfte Max endlich seinen kleinen Bruder kennen lernen. Für die Erwachsenen viel spannender als für ihn. Er fand das Krankenhaus an sich spannender. Und ab da wusste ich, dieses Baby ist MEIN Baby!

Wir hatten dann noch ein wenig mit Leos Gelbsuchtwerten zu kämpfen und ich packte schon die Tasche für einen erneuten Besuch im Krankenhaus. Aber auch das hat uns unser kleiner Löwe und Kämpfer erspart.

Und ja, man vergisst sicherlich irgendwann die körperlichen Schmerzen. Die seelischen Schmerzen aber, zu wissen, ob das eigene Baby im Bauch noch lebt oder nicht, die werde ich nie vergessen. Diese Angst.

Es geht ihm mittlerweile blendend. Ich denke nicht gerne an den Tag zurück, ich bekomme immer noch Tränen in die Augen und jedes Mal, wenn ich sein U-Heft in die Hand nehme und sein Apgar-Werte lese, wird es mir ganz anders. Und dann verspüre ich Dankbarkeit. Für mein gesundes Baby.

 

 

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Wow was für eine ergeifende Geschichte, ich war wie gefesselt zu verfolgen, wie es Mutter und Kind ergeht! Wie wunderbar, dass es ein Happy End gab!! Auch wenn ich die Ängste und Sorgen nicht nachempfinden kann (ich denke das kann niemand), freue ich mich sehr für diese Familie, dass alles gut gegangen ist und der kleine Leo wohlbehalten angekommen ist! Möge die Mama ihre seelischen Schmerzen irgendwann nur noch ganz ganz wenig spüren bzw diese in Dankbarkeit umwandeln können.

  2. Danke für diesen ehrlichen Text!

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