Für mehr Toleranz unter Müttern!

Vor zwei Wochen lese ich bei Twitter einen Tweet einer Frau. Selbst Mutter. Sie beanstandet, dass der Mann ihrer Freundin keine Elternzeit genommen hat. Dass er nicht zu Hause blieb, bei seiner Frau und stattdessen wieder zur Arbeit ging. Zu diesem Tweet entstand eine Diskussion unter Müttern. Keine hatte Verständnis für die Entscheidung der Neu-Eltern. Nicht Eine. Ganz im Gegenteil. Dieser Tweet stimmte mich einmal mehr nachdenklich. Schon oft habe ich mitbekommen, dass Mütter miteinander sehr hart ins Gericht gehen. Toleranz ist da oft ein Fremdwort. Sie haben oft kein Verständnis für Entscheidungen anderer Mütter. Es gibt viel zu oft nur schwarz und weiß. Und das ist der Punkt – sie liegen falsch. Die Welt ist bunt. Es gibt nicht nur schwarz und weiß.  

Wir sind Mütter. Uns alle verbindet eines – wir haben Kinder. Sicher ist, wir sind Mutter mit Leib, Seele und Leidenschaft. Wir Menschen sind so herrlich bunt und unterschiedlich. Das ist wunderbar und schön und spannend. Das macht uns aus. Unsere Einzigartigkeit. Unser Ich. Und so ist es auch mit den Müttern – jede Mama ist anders. Jede Mama geht mit ihrer kleinen Familie, wie sie auch zusammengestellt sein mag, ihren ganz eigenen Weg. Sie fällt Entscheidungen für sich und ihre Kinder. Tag für Tag. Sie wird immer bestrebt sein, die (für sich und ihre kleine Familie) beste Entscheidung zu treffen. 

Wir Mütter sind stark. Wir gehen unseren Weg. Wir Mütter könnten so viel von einander profitieren. Uns unterstützen und bestärken. Und doch schaut es in der Realität viel zu oft ganz anders aus. Fehlende Toleranz ist an der Tagesordnung. Das stimmt mich traurig, macht wütend und manchmal sogar fassungslos. 

Es scheint oft so, als wäre das Muttersein ein Wettbewerb. Mütter zwingen anderen Müttern ihre Meinung auf. Ungefragt. Eine Mutter hat oft gar nicht die Chance, es für sich richtig zu machen. Die Kritikerinnen lauern überall und haben immer etwas zu sagen. „Oh, du stillst nicht? Du weißt schon, dass stillen wichtig und die Flasche ungesund ist?!“, „Du willst wieder arbeiten gehen? Da ist die Bindungsstörung deines Kindes ja schon vorprogrammiert. Dann hättest du auch kein Kind bekommen müssen“. Oder aber: „Du bleibst zu Hause? Ganze drei Jahre? Noch länger? Na, pass mal auf, dass du nicht verblödest!“. Mein persönlich liebster Spruch ist aber noch immer: „wer sein Kind liebt, der trägt!“. Das ist nur der Anfang. Mütter teilen ihre Meinung mit. Rigoros und ohne Angst vor Verlusten. Stillen oder Flasche, Wegwerfwindel oder Stoffwindel, Familiebett oder doch eher eigenes Zimmer, Kinderwagen oder Tragetuch (oder Tragetuch vs Babytrage), Impfen oder nicht impfen, Working Mom vs SAHM. Mütter vergleichen und tragen mit ihren Schwangerschaften, Geburten und Kindern halbe Wettkämpfe aus. Da wird sich übertrumpft und überboten. Und immer auch beurteilt und bewertet. Kind XY kann z. B. schon mit fünf Monaten laufen, sitzen und chinesisch sprechen. Mutter A findet es ganz und gar nicht in Ordnung, dass die Nachbarin ihr Baby bereits mit sechs Monaten fremd betreuen lässt. Wie kann sie nur?! {den ungläubigen und empörten Blick bitte dazu denken} und Mutter B teilt Mutter C mit, dass sie null Verständnis dafür hat, dass sie ihr Baby nicht stillt. Immer diese Ausreden, es hat nicht geklappt. Sowas will sie nicht hören!

Es fängt im Kleinen an und endet im Großen. 

Auch ich war schon einigen ähnlichen Situationen ausgesetzt. Situationen, in denen mir fremde Frauen ihre Meinung mitteilten. Mich beratschlagten, ungefragt. „Du willst kein Urlaubssemester einlegen? Ich empfehle dir, es doch lieber zu tun! Wieso hat Ihr Kind keine Socken an. Es wird sicher krank! Sie wissen schon, dass Babys wirklich immer eine Mütze tragen sollten?“ 

Nun aber zurück zu dem Tweet. Ich saß also da, ich las ihn. Ich war verärgert. Wieso ist das so? dachte ich mir. Wieso müssen Mütter andere Mütter und ihre Entscheidungen stets beurteilen und bewerten, sie kritisieren? Ist es nicht das Recht einer jeden Mutter und eines jeden Vaters, selbst zu entscheiden, was gut tut und was richtig ist?! 

Ständig und überall beobachte ich dieses Verhalten. Ob im echten Leben oder im Internet. Ich folge bei Instagram vielen Müttern. Ich lese Mom Blogs. Ich tausche mich mit anderen Müttern bei Twitter aus und ich treffe sie tagtäglich im Real Life, wie z. B. im Café oder im Park.  Andere Mütter begegnen mir tagtäglich überall. Allesamt sind sie toll. Sie alle lieben ihre Kinder. Doch anstatt sich zusammen zu tun, sich zu stärken, zu fördern und zu unterstützen, wird viel zu oft bewusst oder unbewusst Unsicherheit geschaffen oder direkt kritisiert. 

Es ist in Ordnung, wenn du dich gegen das Stillen entschieden hast. Und es ist auch in Ordnung, wenn du lieber zu Hause bleibst / wieder arbeiten gehst. All das ist in Ordnung. Es ist gut. Deine Entscheidungen sind gut. Genau so, wie du sie für dich und dein Kind getroffen hast, sind sie fein. Du musst dich mit ihnen wohlfühlen. Du, dein Partner und dein Kind müssen sich damit wohlfühlen. Niemand sonst. 

Liebe Mamas, lächelt beim nächsten Mal und sagt der Mama gegenüber: „du machst das toll!“



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Dieser Beitrag hat 15 Kommentare

  1. der vergleich zu dem beispiel mit dem vaterschaftsurlaub hinkt aber. da wird ja wahrscheinlich eher der vater kritisiert nicht die mutter.und vielleicht findet sie es ja selber blöd dass der mann sich keine zeit nimmt.

  2. Ich habe das auch schon sehr oft beobachtet, auch unter Nicht- Müttern: Frauen solidarisieren sich viel seltener als das z.B. Männer tun. Das finde ich total schade. Das tut irgendwie nichts für uns, wenn wir uns ständig bevormunden und übereinander herziehen. Danke für den Post Janina!

  3. Ja Ja Ja!!! Danke für diese ehrlichen Worte. Du hast so Recht. :-)) Wir Muttis müssen zusammenhalten, uns unterstützen und mit mehr Toleranz können wir so viel voneinander lernen.

  4. Liebe Janine, vielen Dank für diesen tollen Artikel! Also noch-nicht-Mama, die sich aber auf die Schwangerschaft und das Muttersein so sehr freut wie noch nie auf etwas in im Leben, lese ich Mama-Blogs und folge Insta-Mamis uswusw schon seit Jahren. Manchmal denke ich mir, ob man sich wohl „zu viel“ informieren kann? Ob man nicht einfach seine eigenen Erfahrungen machen sollte, ohne sich von anderen vorher schon verunsichern zu lassen? Denn genau das passiert mir manchmal: ich lese die Diskussionen, die du oben erwähnt hast, bspw. Pro/Contra Impfen/Tragen/Stillen und so weiter und bin verunsichert – da kommt dein Blogoost gerade richtig und lässt mich entspannt zurücksinken. Mach weiter so, du bist toll 🙂
    Katharina

  5. Liebe Janina, vielen Dank für den wirklich tollen Beitrag. Das ist mir auch schon sooo oft aufgefallen. Im realen Leben ist es schon schlimm, aber im Internet ist es noch schlimmer! Da wird mit richtig harten Bandagen gekämpft und sogar richtig beleidigt und verletzt. Ich habe auch zu bestimmten Themen eine Meinung aber im gleichen Atemzug bin ich mit einer gesunden Portion Toleranz ausgestattet. Wenn mich jemand um meine Meinung bittet, dann sage ich sie gerne. Ansonsten muss sich einfach jede Mami mit ihrer Entscheidung wohl fühlen. Jedes Kind ist anders, jeder Mensch ist anders und für jede Familie ist etwas anderes das Richtige. Wer mit Toleranz, Achtung und Freundlichkeit durchs Leben geht (egal in welcher Situation), der bekommt genau das auch zurück. Das sollte sich jeder mal zu Herzen nehmen. Einen schönen Sonntag euch noch:)

  6. Jetzt hab ich einen eeeewig langen Kommentar geschrieben und er war einfach weg 🙁 naja, jedenfalls ein sehr sehr toller Artikel!
    Alles Liebe,
    Pazi

  7. Die Mutter und der Vater entscheiden ja gemeinsam als Familie wg der Elternzeit, deswegen finde ich das dann auch die Mutter angegriffen wird.
    Toller Artikel, liebe Frau Wunderbar:)
    Frauen untereinander sind meistens leider ein Thema für sich…
    Wenn eine Frau mit 40 schwanger wird sagen doch die meisten Frauen: OMG, so alt! Während sich die männer wahrscheinlich auf die Schulter klopfen würden;-)))

  8. Sehr schöner Artikel! Vielleicht möchte der Vater ja Elternzeit nehmen, die Eltern können es sich aber nicht leisten? Manchmal läuft es leider nicht so, wie man es sich wünscht. Trotzdem ist er dadurch kein schlechterer Vater. Seit ich schwanger bin, habe ich ungefragt tausende von Meinungen und Tipps aufgedrückt bekommen. Ich kann es jetzt schon nicht mehr hören und wenn das Kind da ist, wird es bestimmt nicht besser. Mehr Toleranz und weniger „ich weiß es aber am besten“ wäre schon toll.

  9. Manchmal glaube ich, dass viele Frauen damit ihre eigenen Entscheidungen und Handlungen rechtfertigen wollen. Bei mir fing es schon an, dass ich mit 24 schwanger geworden bin. ,,Waaaas? So früh? War das geplant?´´ Man kann es sich nicht vorstellen, wie viele Menschen einfach unverblümt diese Frage stellen. Und dann ist mein Partner noch viel Älter als ich…Schande.
    Mich macht es manchmal auch wütend, aber ich habe gelernt damit umzugehen und liebe es meine eigenen Erfahrungen machen zu können.
    Vielen Dank für deine Kolumne. Wir sollten uns alle davon inspirieren lassen.!

  10. Liebe Janina, erst letztens erzählte mir eine Freundin, dass ihre Freunde total abfällig über Frauen geredet hat, die nach einem Jahr Babypause wieder arbeiten wollen/müssen. Ich finde es, so wie du auch schreibst, einfach nur schade, dass viele Frauen an der Lebensweise anderer Frauen ständig etwas auszusetzen haben. Unüberlegt wird da einfach viel zu oft über Mütter beurteilt. Vielleicht können es sich nun einmal einige Mütter nicht leisten mehr als ein Jahr Elternzeit zu beantragen. Aber soweit wird einfach oft nicht gedacht. Deswegen: DANKE für diesen tollen Artikel. Liebe Grüße, Ari

  11. Ganz toller Artikel, danke und Glückwunsch.
    Weiter so!

  12. Liebe Janina, das predige ich ja auch immer. Diese ganzen SuperMums da draußen, die gerne IHRE Wahrheiten predigen. Schlimm finde ich wieviele, gerade Erstlingsmütter, sich dadurch verunsichern lassen. Also: für mehr Toleranz, dann könnten wir Moms ne starke Truppe werden. Liebe Grüße, Sarah

  13. Ich kann dir als Grundschullehrerin sagen, dass es in der Schule noch schlimmer wird. Alter Falter, gehen sich die Eltern da teilweise an die Gurgel und alle haben Pädagogik studiert und wissen es eh besser, wie das in der Grundschule zu laufen hat und den Lehrplan schreiben sie dann auch mal kurzerhand um! Unfassbar manchmal! Würde diese Energie in die Liebe zum Kind genutzt werden, sehe es bei vielen Kinder rosiger aus. Und die Kultur der Meckerei und Besserwisserei setzt sich bei den Kindern leider 1zu1 fort. Ich bin überzeugt, dass dieses „Vorbildverhalten“ das immer intensiver werdende Mobbing fördert.
    Liebe Grüße, Sarah
    Ps: ich liebe meinen Job trotzdem! 🙂

  14. Toller Artikel! Als frischgebackene Mama einer kleinen Tochter von 5 Wochen musste ich wirklich sehr schmunzeln. Sei es das Thema Stillen/Flasche oder Arbeiten nach 10 Monaten oder 3 Jahren. Ich selbst stehe nun frischen all den Mamas und versuche meinen eigenen Weg zu finden.
    Wichtig ist doch für uns alle, wenn Mama glücklich ist, dann ist es auch das Kind. Zwar auch ein kluger Spruch, aber da ist für mich mittlerweile wirklich etwas dran.

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