Ground Zero | NYC
Unvergessen.

11. September 2001

„Ich liege auf der Couch und irgendeine Talkshow läuft, als plötzlich das Programm unterbrochen wird. Bilder aus den USA, New York. Die Twin Tower. Der Moderator berichtet sichtlich erschüttert von dem brennenden Turm, als das nächste Flugzeug in den zweiten Tower fliegt. Ich setze mich schlagartig auf, Tränen laufen über meine Wangen, ich bin fassungslos. Der Kloß in meinem Hals ist so mächtig, dass ich kaum schlucken kann und ich halte die Luft an. „Oh Gott…“, murmle ich, „oh Gott!!“. Ich kann meinen Blick nicht vom Bildschirm abwenden. Schockstarre. Die Zeit steht still. Ich habe Angst. Ich empfinde Trauer. Alles in mir ist angespannt. Ich höre den Vater von meinem Freund im Wohnzimmer. Höre, wie er immer wieder sagt, dass es Krieg geben wird. Fast schon panisch, voller Angst. Ich weine. Ich weiß gar nicht, wohin mit mir. All diese Menschen. All das Leid. Mein Freund steht plötzlich neben mir, starrt fassungslos auf den Fernseher. „Oh Gott“, sagt er. Als der erste Turm in sich zusammenbricht, zucken wir zusammen. Niemals werde ich den Anblick vergessen. Wie die Menschen aus Verzweiflung aus den Türmen springen. Die angstverzerrten, staubigen Gesichter der New Yorker. Weinende, fassungslose Menschen. Die nächsten Stunden sitzen wir alle zusammen und starren weiter auf den Fernseher. Teilweise halten wir uns an den Händen… Tiefste Anteilnahme und bittere Angst empfinde ich. Fassungslosigkeit. An diesem Tag ist die Welt für mich ins Wanken geraten. Nicht nur für mich, für uns alle, weltweit!“. 

 

 

17 Jahre später. Es ist der 16. Februar 2018, 8.20 Uhr. New York. Ground Zero Memorial.

Da stehe ich. So ergriffen, dass es mir fehlt – an allem. An Atem und an Worten. Mein Herz so schwer, alles so schwer und ich schlucke. Ich lege meine Hand auf das kalte Metall und streiche mit meinem Finger vorsichtig über einen dieser vielen Namen. Ganz langsam und andächtig. All diese Namen. All diese Menschen. Menschen, die hier ihr Leben gelassen haben. Menschen, die in diesem Gebäude gearbeitet haben, Feuerwehrleute, Polizisten, die Menschen aus den Flugzeugen. Ich atme tief ein und ich kämpfe mit den Tränen…

Für die Stadt, die angeblich niemals schläft, ist es ruhig. Ja, nahezu menschenleer ist es {noch}. Ich bin früh unterwegs. Noch herrscht kaum Verkehr und noch wartet man vergeblich auf die Touristenströme, die wie ich, von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit ziehen. Als ich mein Hotel verlasse, ist es diesig. Ich stolpere aus der Tür und mache mich auf Richtung Oculus und Ground Zero. Ground Zero, der Ort, an dem damals, bis zu diesem schrecklichen 11. September 2001 die Twin Tower standen. Ein Ort, der so viel Leid und Trauer und Verletzlichkeit symbolisiert. Aber auch Hoffnung und Leben und Stärke und Zusammenhalt.

Auch heute, 17 Jahre später, ist da noch dieser dicke Kloß in meinem Hals. Unvergessen dieser Tag des Unglücks. Dieser Tag, an dem die Zeit weltweit still stand. Jeder von uns, egal wo auf der Welt, wird heute noch genau wissen, was er an diesem Tag getan oder gemacht hat und wie ihn diese Nachricht ereilt hat.

Da wo damals die Türme standen, da wo all die vielen Menschen ihr Leben gelassen haben, ist heute das Ground Zero Memorial. Ein Mahnmal. Da wo einst die Twin Tower standen, befindet sich heute jeweils ein Wasserfall. Gerahmt mit den Namen der Menschen, die ihr Leben verloren haben. Umgeben von vielen Bäumen und einem ganz besonderen Baum, dem Wunderbaum. Ein Birnenbaum, der den verheerenden Anschlag damals wunderbarerweise überlebt hat. Nachdem er über Jahre aufgepäppelt wurde, steht er nun wieder an seinem alten Platz. Wasser und Bäume – der Kreislauf des Lebens. Ganz bewusst gewählt für dieses Mahnmal.

Ich bleibe noch lange stehen. Betrachte das Wasser. Lese die Namen. Verhalte mich still. Empfinde Demut. So viel Demut. Niemals vergessen, dieser Tag. Niemals vergessen, all das Leid. Aber auch niemals vergessen, wie die Welt an diesem Tag zusammenrückt ist.

 

 

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Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. So traurig. Und ja, auch ich weiß noch ganz genau wie die Welt stillstand – wie wir alle auf den Bildschirm des Kollegen starrten, gerade um kurze Zeit später das 2. Flugzeug in den Turm fliegen zu sehen. Gänsehaut, Angst, Entsetzen, unfassbar was da grad passierte, so unrealistisch und doch wahr, wie in einem schlechten Film.
    Es wird niemand je vergessen.

  2. Oh, ich hatte beim lesen konstant Gänsehaut. Ich kann mich auch noch genau an den Tag erinnern und ich war 11 Jahre jung. Diese Angst, dieses Entsetzen, dass da was ganz furchtbares passiert, das spüren Kinder nicht weniger als erwachsene.
    ♥️

  3. Hallo Janina, auch wir hatte die gleichen Gefühle als wir dort waren. Mir liefen die Tränen als wir nochmal die Filme mit den Kommentaren der einzelnen Feuerwehrmänner über die Rettung sahen. Den kleinen Baum habe ich als Zeichnung auf meiner Bilderleiste stehen und somit sind die Gefühle an diesen Ort immer wieder present. Auch der Besuch in der kleinen Kirche bleibt für mich unvergessen. Trotz dieser Ereignisse haben wir leider immer noch zu viel Unheil und Ungerechtigkeit auf dieser Welt und so etwas kann leider immer wieder passieren. Wir sind gerade gestern aus Kapstadt und Umgebung zurück gekommen und es wird noch lange dauern, dass zu verarbeiten was wir dort so alles gesehen und erlebt haben. LG Heike

  4. „Jeder von uns, egal wo auf der Welt, wird heute noch genau wissen, was er an diesem Tag getan oder gemacht hat und wie ihn diese Nachricht ereilt hat.“

    So true! Ich kenne keinen, der nicht weiß, was er an diesem Tag gemacht hat und wie er es erfahren hat. Auch jetzt noch nach knapp 17 Jahren, weiß ich noch ganz genau, wie dieser Tag war. Als ob es gestern gewesen wäre …

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