Die Geburt

Meine Lieben, in Momenten der Ruhe, holen sie mich ein, die Gedanken über die Geburt meines kleinen Mädchens. Immer wieder keimt sie auf, die Traurigkeit. Wisst ihr, anfangs, wenige Wochen nach der Geburt habe ich all das noch in mir verschlossen, weggesperrt. Zu glücklich war ich über unser kleines Kind. Zu intensiv war diese erste Zeit und die Hormone spielten mir gut zu. Aber unterbewusst war sie bereits da, die Traurigkeit. Diese tiefe Traurigkeit darüber, dass die Geburt nicht so verlief, wie ich sie mir erwünscht und erträumt hatte. Bis heute fühle ich sie.

Ich bin traurig, sehr. Ich bin betrübt. Ich fühle mich, als hätte ich versagt. Ja, ich habe versagt. Weil ich unter den Wehen nicht für mich einstehen konnte. Weil ich unter den Wehen nicht in der Lage war, klar und deutlich zu sagen, was ich will und nicht möchte. Immer wenn ich an die Geburt zurückdenke, ist da dieser dumpfe Schmerz und die Enttäuschung – weil man mir Erfahrungen genommen hat, weil man mich nicht angehört hat oder meinen Wunsch übergangen hat.

Ich wollte eine Wassergeburt. Das war mir bereits am Anfang der Schwangerschaft klar. Wisst ihr, ich habe vor einigen Wochen von der deutschen Frau gelesen, die ihr Kind im Meer vor Thailand geboren hat. Allein. Ich habe ihre Worte gelesen, über den Wunsch einer Wassergeburt. Und genau so war es bei mir. Ich war schwanger und wusste, ich möchte mein Kind im Wasser empfangen. Aber das wurde mir verwehrt. Ich habe die Badewanne nicht einmal zu Gesicht bekommen. Ich wollte keine Schmerzmittel, das war mir schon Wochen vor der Geburt klar. Ich möchte auf Schmerzmittel verzichten, wie bei meiner großen Tochter – die im übrigen in einer Klinik geboren wurde, die hebammengeführte Geburten anbietet. Und genau aus diesem Grund habe ich im Krankenhaus vorab das Formular für die PDA nicht unterschrieben. Ich habe es vorab NICHT unterschrieben, weil ich KEINE PDA wollte. Ich wollte es nicht. Ich wusste, ich würde danach schreien, wie damals, vor elf Jahren. Einfach weil der Schmerz da war. Aber ich würde sie nicht wirklich wollen. Und doch bekam ich etwa 40 Minuten vor der Entbindung, ich steckte bereits in der Austreibungsphase, eine PDA gesetzt. Eine PDA, die zudem, so spät gesetzt, gar nichts mehr brachte. Nichts. Man spritzte mir sogar Wehenhemmer, die Wehen kamen schon minütlich, um mir die PDA zu setzen und ich war zu erschöpft, um Nein zu sagen. Zu sagen: Nein, ich möchte das nicht. Nein, bitte, lassen sie das!
Ich bekam Schmerzmittel gespritzt, ich bekam Lachgas angeboten. Ich gab auf. Ich legte mich auf das Bett im Kreißsaal, zusammengerollt lag ich da und ertrug die Wehen für mich im Stillen. Musik. Ich liebe Musik und mein ganzes Leben ist von Musik begleitet. Ich bat mehrmals darum, mir meine Musik anzustellen. Sie wurde einfach immer und immer wieder ausgeschaltet. Auch hier gab ich auf und fragte einfach nicht mehr nach meiner Musik. Ich weiß, das mag vielen von euch lächerlich erscheinen, eine Lappalie. Im Vergleich mag das auch zustimmen, absolut. Aber für mich ist es keine. Für mich war es wichtig. Für mich war es auch keine Lappalie, dass die Hebamme während der Presswehen wegen des Schichtwechsels einfach ausgetauscht wurden. Ich lag da, offen und verletzlich wie nie und plötzlich ist ein mir fremder Mensch da. Während das Köpfchen meiner Tochter geboren wird. Es tut mir weh. Meine Tochter ist gesund, ich bin gesund. Ich bin dankbar dafür, sehr sogar. Aber dennoch begleitet mich auch immer diese Traurigkeit. Ich kann nicht vergessen, wie ich genäht wurde, lieblos. Wie die Ärztin hinein kam, sich hinsetzte und nicht einmal gratulierte, sondern einfach ihren Job tat. Genau so schnell wie sie kam, war sie wieder weg. Weil sie vermutlich, im Anschluss noch vier andere Frauen versorgen musste. Keine Zeit. Zeit ist Geld. Versteht mich nicht falsch, ich hatte eine herzliche Hebamme, sie war nett und bemüht. Aber dennoch ist da dieser dumpfe Schmerz der Traurigkeit, weil es eben auch hätte anders sein können. Mehr so, wie ich es mir gewünscht habe.

Ich hatte mir ursprünglich, wie schon bei meiner ersten Tochter, eine Hausgeburt gewünscht. Oder eine Geburt im Geburtshaus. Ich habe es mir so sehr gewünscht. Aber mein Arzt hat dem nicht zugestimmt, hat mir davon abgeraten. Heute, 12 und 1,5 Jahre später, ist mir klar, egal wie gut der Verlauf meiner Schwangerschaft auch wäre, er hätte einer Geburt ausserhalb einer Klinik niemals zugestimmt. Weil uns Frauen vorgegaukelt wird, in der Klinik wäre man sicher. Wir wären sicher, unser Kind wäre sicher und in guten Händen. Aber das stimmt nicht immer, das ist nicht unbedingt wahr. Ich habe zu viele Gespräche geführt, mit fremden Frauen, mit meinen Schwestern, mit Bekannten und Freundinnen. Es ist erschreckend, aber ein Großteil der Frauen hat fürchterliche Erfahrungen hinter sich. Es wurden Fehler gemacht, es wurde zu spät oder viel früh interveniert. Die Frauen wurden manchmal schlecht behandelt, als wären sie nicht mündig. Ganz selten wurden sie im Kreißsaal unter der Geburt von leitenden Hebammen oder Ärzten sogar seelisch angegangen. Während ich diese Sätze schreibe, laufen mir die Tränen. Ich muss weinen, so groß ist die Trauer und auch die Wut.

Zeit ist Geld, und genau deshalb ist eine adäquate Betreuung unter der Geburt häufig einfach nicht mehr gewährleistet. Hebammen und Ärzte werden verheizt, an allen Ecken und Enden wird gespart und es wird nur noch rein wirtschaftlich gedacht. Das mag in anderen Bereichen vielleicht funktionieren, aber doch nicht bei diesem einschneidendem Ereignis, welches jedes Mal aufs Neue ein Wunder ist. Doch nicht im Kreißsaal, wo sich Frauen und ihre Männer in einem Ausnahmezustand befinden. In einem Ausnahmezustand, der sie so verletzlich macht wie nie. Stunden, in denen Frauen Vertraute brauchen, Unterstützung. Keinen Zeitdruck. Kein grelles Licht, keine sich stets öffnenden Türen. Stunden, in denen sie Wärme brauchen, ein Gefühl von Geborgen- und Sicherheit – wie in einer Höhle. Aber das ist im Klinikverlauf oftmals nicht möglich. Verständlich. Ärzte wie auch Hebammen geben ihr allerbestes, aber in einer Zeit, wo nur noch ökonomisch gedacht wird, kommen auch sie an ihre Grenzen.

Um Mut zu machen, und um aufzuklären wird es ab sofort jede Woche einen Beitrag rund um das Thema Geburtshilfe  und Geburten geben. Erzählt von Frauen und Männern, Doulas, Hebammen und vielleicht sogar der ein oder anderen Ärztin. Nicht um Angst zu schüren, nein. Um Kraft zu geben, zu informieren, Mut zu säen und zu bestärken. Aber eben auch, um aufzuklären.

 

Seid mir ganz lieb gegrüßt
Eure Janina

 


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Dieser Beitrag hat 37 Kommentare

  1. Liebe Janina,

    ich habe noch keine Kinder und dennoch tut es mir sehr leid, dass du diese Erfahrung machen musstest. Ich finde nicht, dass du versagt hast. Es gibt einfach (Grenz-) Situationen im Leben, in welchen man nicht mehr fähig ist, für seine Wünsche und Überzeugungen einzustehen.
    Aber ich weiß auch, dass dir das noch so viele Leute sagen können, es in dir drinnen jedoch anders aussieht.

    Ich betreue hier bei uns einige Flüchtlinge. Darunter auch eine Frau, die vor 6 Wochen entbunden hat. Der deutschen Sprache nicht mächtig, lag sie alleine im Krankenhaus, weil ihr Mann bei der 2 jährigen Tochter gebraucht wurde. Mir hat man nicht erlaubt bei ihr zu bleiben. Morgens um 4 Uhr hat sie entbunden und das Krankenhaus hielt es nicht für nötig anzurufen und das freudige Ereignis bekanntzugeben, obwohl das mit der Hebamme vereinbart war. Man hat diese Frau einfach alleine gelassen. Das Entlassungsgespräch mit der Ärztin war auch unter aller Kanone. Ich habe selten etwas unfreundlicheres erlebt. Das hat mich wirklich tief erschüttert. Auch ihrem Wunsch, nicht zu stillen hat man einfach überhört und die stillschwester hat einfach ihre Brust entblößt und das Kind angelegt.

    Ich dachte, das wäre ein Ausnahmesituation gewesen. Nach deinen Schilderungen bin ich mir da nicht mehr so sicher.

    Ich habe zum Thema Geburt vor ein paar Tagen einen interessanten Artikel gelesen:
    http://m.huffpost.com/de/entry/9550456

    Hoffentlich erinnere ich mich an ihn, sollte ich einmal schwanger sein.

    Alles Liebe,

    Denise

    1. Liebe Denise,

      oh nein, ich bin erschüttert und zutiefst betroffen.
      Die arme Frau und das in einem Land, deren Sprache sie noch nicht recht verstehen kann. Wie fürchterlich das sein muss, ich finde das ganz ganz traurig und es macht mich auch ein wenig wütend. 🙁

      Den Post zum Link werde ich mir gleich mal anschauen. Danke schön!

      Ich weiß nicht, was du beruflich machst. Aber ich möchte dir einmal sagen, dass ich es schön finde, dass du Menschen hilfst und sie unterstützt. Danke!

      Ganz liebe Grüße
      Janina

      1. Liebe Janina,

        Mich hat das auch nachhaltig sehr getroffen. Und jetzt, wo du von ähnlichem berichtest, erschüttert mich das noch mehr. Da muss einfach drauf aufmerksam gemacht werden.

        Derzeit studiere ich noch Jura. Aber ich bin am überlegen, ob ich nicht in den Kosmetikbereich wechsele, da mich Jura einfach nicht (mehr) glücklich macht.

        Auch, wenn ich dir nicht immer und in allem zustimme (was ja auch kein muss ist 😉 ), machst du mir ganz oft Mut, da du so offen mit deinem ebenfalls nicht Linearverlaufenden Lebenslauf umgehst. Davor hab ich tiefen Respekt und irgendwie inspiriert mich das.

        Dass ich den Leuten helfe, ist für mich selbstverständlich. Ich kann da einfach nicht wegsehen.

        Liebe Grüße

        1. Liebe Denise,

          man muss niemals immer einer Meinung sein. Das ist ja überhaupt das spanende, das war alle einen Standpunkt zu gewissen Themen haben. 🙂

          Ich hab damals lange mit mir gekämpft, weil es eben auch ein großer Traum war, das Jura Studium. Ich konnte es nicht so einfach für mich beenden. Letztendlich war es aber wohl doch ein Zeichen, denn ich habe den Wechsel niemals bereut. Ganz im Gegenteil, ich habe mich sogar gefragt, warum ich nicht eher einen Schlussstrich gezogen habe.

          Ich wünsche dir alles Gute für deinen Weg!

          Sei lieb gegrüßt
          Janina

  2. Wenn man sonst keine Probleme hat! Ich kann nicht verstehen wie man wegen so etwas nach 1,5 Jahren heulen kann! Sorry ! Es gibt schlimme Schwangerschaften und Geburten und kinder die krank geboren werden. Eltern die Wochen lang in der Klinik nach der Geburt um ihr Kind bangen. Solche Situationen sind welche über die man heulen kann. Aber nicht eine normale Schwangerschaft , Geburt und ein Kern gesundes Kind! Eine Geburt und auch Schwangerschaft läuft nicht immer genau wie man es sich perfekt vorstellt. Frauen die so etwas schreiben sind für mich Frauen die keine echten Probleme haben dies dann nicht unterscheiden können und Kleinigkeiten dermaßen auf bauschen, man kann sich das Leben auch unnötig schwer machen und überleg mal wie der Post bei Frauen ankommt die richtige Probleme rund um das Thema haben hatten.

    1. Liebe Melli,

      deine Worte kann ich leider nicht ganz nachvollziehen. Genau darauf bin ich doch auch eingegangen.
      Natürlich ist das im Vergleich „nichts“, aber es ändert doch nichts daran, dass es für mich einfach noch immer ein Thema ist, weil es mich beschäftigt und mich traurig stimmt.

      Liebe Grüße
      Janina

    2. Wie kann man nur so roh und fernab von seinem Herzen sein? Aber wie schön, für dich, dass dir das nichts ausmachen würde .. Das spricht für sich!

    3. Liebe Melli,
      jeder darf seine eigenen Gefühle und Empfindungen haben und keiner hat das Recht, ihm diese abzusprechen.
      Anhand eines kleinen Ausschnitts im Internet weißt du niemals, was dazu geführt hat und warum ein Kontrollverlust für die Person schwierig ist. Urteilen ohne die Hintergründe zu kennen ist anmaßend.
      Ihre Gefühle runterzuschlucken wird Janina nicht helfen. Schön, dass heute über so etwas geredet werden kann und Frauen nicht jahrzehntelang allein damit klarkommen müssen.

    4. Liebe Melli,

      ich habe keine Ahnung, was Dir einmal zugestossen sein muss. Es muss wirklich sehr sehr schlimm gewesen sein. So schlimm, dass Du es anderen Frauen nicht erlaubst, ihre „weniger schlimmen“ Erfahrungen als das zu akzeptieren was sie sind: Schlimm für die betroffene Person!
      Ich hab eigentlich Glück gehabt, aber die Tatsache, wie und unter welchen Umständen meine Tochter kurz nach der Geburt mit Verdacht auf Kernikterus ins KKH kam, die Phototherapie, die vielen Infusionen, die Aussage des (ziemlich unsensiblen!) Arztes, dass meine Tochter vielleicht am nächsten Morgen nciht mehr aufgewacht wäre und das Wissen, dass ich das nicht erkannt habe und nur meiner Hebamme zu verdanken hab, dass wir nochmal ins Krankenhaus gefahren sind, belasten mich noch knapp 2 Jahre später so sehr, dass ich auch dieses Jahr wieder Angst vor Weihnachten habe! Natürlich haben andere Frauen noch schlimmeres erlebt. Wir waren auf der Intensivstation gemeinsam mit Frühchen. Ich hab noch nie so winzigkleine Babys gesehen und trotzdem ging mir das, was meine Tochter betraf, doch logischerweise viel viel näher als das Schicksal der anderen Frauen und ihren Kindern! Warum? Weil das MEIN Erleben war. Es war MEIN Kind, das da völlig verkabelt von zwei Seiten mit UV-Licht bestrahlt wurde. Es war MEIN Kind, das ich nur alle vier Stunden für zehn Minuten halten durfte und in der Zeit sollte ich versuchen sie zu stillen. Es war MEIN Sohn, der deswegen an Weihnachten ohne Mama unter dem Baum saß und ohne mich seine Geschenke auspacken sollte! Ja, es gibt schlimmeres. Ja, wir sind glimpflich davon gekommen in Anbetracht der Bilirubin-Werte und wir haben verdammtes Glück gehabt, dass meine Tochter heute kerngesund ist und neurologische Schäden nicht mehr zu erwarten sind. Trotzdem war es für MICH schlimm weil es MEIN Kind war.

      Sprich anderen Eltern nicht ihre Gefühle und ihre Trauer ab, „nur“ weil es andere noch schlimmer getroffen hat.

      Wie gesagt, ich weiß nicht, was Dir zugestossen ist, dass Du so verächtlich über Frauen denkst, die ihr Erleben so darlegen, wie SIE es erlebt haben. Mag sein, dass das für Dich nicht so schlimm erscheint. Für diese Mütter und Väter ist es aber schlimm.

    5. Wo fangen für dich, liebe Melanie, richtige Probleme an? Es wird immer etwas noch schlimmeres geben, als das, was man selber erlebt. Nach deiner Logik dürfte keiner mehr trauern oder traurig sein. Das jemanden abzusprechen ist wirklich schlimm.

  3. Ach liebe Janina, das tut mir so leid, dass du so eine Erfahrung machen musstest! Ich glaube es ist auch zu viel von einer Frau in Wehe verlangt, ihren Willen bei Musik, und Art und Weise das Baby zu bekommen, durchzusetzen! Wir gehen in den Kreissaal und müssen einfach darauf vertrauen, dass alles Gut läuft! Dass die Ärzte die für uns richtige Entscheidung treffen! Mit wird jetzt erst bewusst, was für ein Glück ich gleich zweimal hatte. Verlassen können wir uns nur auf das Bauchgefühl während der Wahl der Klinik und auch der Wahl der Hebamme.
    Vielleichtgibt dabei euch ja noch ein Drittes, das die Erfahrungen wieder gut machen kann ?! Liebste Grüße und ich freue mich auf diese spannende Reihe!
    Katja

    1. Liebe Katja,

      verrückt finde ich, dass ich in den ersten Wochen anscheinend so viel weggeschlossen habe und die Glückshormone einer froschgebackenen Mutter ihr übriges taten. Ich habe zwar viel mit Henry gesprochen, aber ich hab den Fehler viel bei mir gesucht. Ich hab gedacht, dass die Entbindung an sich eigentlich schön war. Sie war ja auch nicht schlecht. Aber es war eben alles ein wenig holpriger und anders, als ich es mir erhofft habe. Ich wünschte, ich hätte mehr für mich einstehen können.

      Sei mir herzlich gegrüßt
      Janina

  4. Liebe Janina, deine Erfahrungen bei Mimi’s Geburt tun mir leid. Schade, dass du es nicht so geniessen konntest, wie du es dir vorgestellt hast und stattdessen heute unter dem Geschehenen leidest.
    Hattest du denn dein Wünsche und Vorstellungen im Vorfeld mit Henri besprochen? War er bei der Geburt dabei?
    Ich hatte damals ein Art „Geburtsplan“ erstellt für die Geburt meiner ersten Tochter hier in Frankreich. Das Krankenhaus hat das glaube ich weniger interessiert, aber mein Mann wusste, was mir wichtig war und das war eine grosse Hilfe (gerade auch weil meine Sprachkenntnisse noch nicht sehr gut waren).
    Alles Liebe für dich. Das Erlebte wirst du nicht vergessen können, aber sei dankbar darüber, dass es dir und Mimi gut geht!
    Christine

    1. Liebe Christine,

      das klingt toll. Sollte ich noch einmal ein Kind bekommen, werde ich einen solchen Geburtsplan für mich verfassen. Bei der Geburt war sowohl Henry als auch meine beste Freundin dabei. Henry hat mich so weit er konnte unterstützt. Aber leider haben wir im Vorfeld wohl nicht ausreichend darüber gesprochen. Mimi ist ja auch sein erstes Kind und somit war es für ihn die erste Geburt. Und irgendwie war ich während der Geburt kaum in der Lage, irgendwas zu sagen. Ich war ein wenig wie im Rausch, stand ein bisschen neben mir.

      Aber die Idee mit dem Plan finde ich toll.

      Ganz lieben Dank und herzliche Grüße an Dich
      Janina

  5. Liebe Janina,
    mein Sohn ist genau eine Woche jünger als eure Mimi.
    Auch unsere Geburt und die Wochen danach, als ich nur durch die Aufmerksamkeit meines Mannes knapp der Intensivstation entgangen bin, sind für mich bis heute alles andere als annehmbar. Ja, stand heute sind wir alle wieder körperlich gesund, geheilt bin ich nach dieser traumatischen Geburt nicht. Ich trage bis heute das Gefühl von Ohnmacht und Versagen in mir. Jeder Tag an dem ich meinem Kind über seinen Kopf streichele und die für Fremde nicht sichtbare Beule an seinem Schädel spüre, jedes Mal wenn meine Narben wie verrückt schmerzen, werde ich erneut erinnert. Es wird besser, aber aufhören wird es wohl nie.
    Ich betrauere es, das schöne Ereignis einer Geburt mit meinen schrecklichen Erfahrungen teilen zu müssen.
    Eine Geburt in einem Geburtshaus oder zu Hause wäre in unserem Fall für mich und mein Kind lebensgefärlich gewesen, daher würde ich trotz allem wieder in einer Klinik entbinden.
    Vielleicht bekomme ich noch mal eine zweite Chance für eine schöne Geburtserfahrung.

    Fühl dich gedrückt.

    1. Liebe Janina,

      das tut mir so leid. Fürchterlich leid. Wahrscheinlich wird es noch lange dauern, bis du das aufgearbeitet hast.
      Ich wünsche dir ganz viel Kraft. Gott sei Dank geht es euch heute gut.

      Herzliche Grüße
      Janina

  6. Liebe Janina,

    es tut mir sehr leid, dass Du eine solche Erfahrung machen musstest.
    Am 25. November ist wieder Roses Revolution, der globale Tag gegen Gewalt in der Geburtshilfe (http://www.gerechte-geburt.de/home/roses-revolution/). Vielleicht magst Du an dem Tag eine Rose vor diesen Kreisssaal legen. Liebe Grüsse

    1. Liebe Claudia,

      vielleicht werde ich das machen!
      Danke Dir, dass du mich darauf aufmerksam machst.
      Vielleicht greife ich das auch noch einmal als Thema auf, hier auf dem Blog.

  7. Hallo Janina,

    eigentlich bin ich eine stille Mitleserin und freue mich immer wieder über Berichte/Erfahrungen/Tipps etc. von dir. Eine Geburt ist schon etwas Besonderes und ich finde es super, wenn man sich dazu austauschen kann. Ich finde es schade, dass dies einige nicht respektieren können. Für mich ist dies und dein Blog als Neu-Mama wichtig. Und ja mir ist klar, es gibt auf dieser Welt wichtigeres und dir auch. 🙂 Bin mir sicher, wenn du eines Lösung zum Weltfrieden gefunden hast, wirst du es hier sofort bloggen. Versprochen? ??
    Ich selber habe vor 4 Monaten das erste Mal entbunden und ich habe mich bewusst für ein kleines Kreiskrankenhaus mit einem jahrelang eingespielten Team entschieden. Ich kann nur sagen, oh wunderbar. 🙂 Meine Hebamme war zwar mind. 10 Jahre jünger, hat jedoch sofort verstanden, mit welchen Typ Frau sie es zu tun hat. Ich wünsche allen so eine angenehme Atmossphäre und auch die Betreuung auf der Station war spitzenmäßig.
    Lg Wiecze

  8. Danke für deine ehrlichen Worte, ich hatte tränen in den Augen, weil bei der Geburt meiner Tochter auch vieles so falsch lief. So fremdbestimmt… Ich drück dich ❤

    1. Liebe Olga,

      ich denke, fremdbestimmt ist das richtige Wort. Es nagt noch immer sehr an mir und ich vermute, dass es noch lange braucht, bis ich damit meinen inneren Frieden habe.

      Ganz liebe Grüße an Dich, fühl dich geherzt!
      Janina

  9. Liebe Janina,
    Ich bin sonst eher eine stille Mitleserin, aber bei diesem Thema würde ich doch gerne mal etwas schreiben. Mir tut es leid, dass du keine schönen Gedanken an deine Geburt hast. Ich habe mich auch nach der Geburt unseres Kindes viel mit meiner Hebamme unterhalten, die mir von den katastrophalen Arbeitsbedingungen der Hebammen im Krankenhaus berichtete. Ich hatte das riesige Glück, dass meine Hebamme trotz Dienstfrei (!) zu mir ins Krankenhaus geeilt kam, um unsere Geburt zu leiten. Nur deswegen konnte sie ununterbrochen bei uns sein und sie hat ihren Job perfekt gemacht. Ich bin traurig und wütend über die Situation der Geburtshilfe in Deutschland. Jede Frau braucht unter der Geburt eine Hebamme wie ich sie hatte. Leider ist dies aus ökonomischen Gründen in den Krankenhäusern so gut wie nie möglich. Ich glaube dass das der Grund dafür ist, dass vielen Frauen so etwas wie dir unter der Geburt passiert. Und trotzdem hoffe ich, dass du die schlechten Erfahrungen verarbeiten kannst. Bei meiner Geburt lief auch nichts so wie geplant. Trotzdem war es für mich das schönste Erlebnis meines Lebens. Denn ich habe ein gesundes Kind zur Welt gebracht. Und dass ist das was zählt. Ich hoffe du kannst es vielleicht auch irgendwann so sehen und somit die schlechten Erfahrungen verarbeiten. Alles Liebe für euch.

  10. Kennst du „Das Geburtsbuch“ von Nora Imlau? Es ist ein ganz toller Schatz (zum vorbereiten aber auch verarbeiten) und ich musste direkt daran denken, als ich deine (so ehrlichen und berührenden) Zeilen gelesen habe. Danke fürs teilen. Für mich auch als Nicht-Mama trotzdem sehr wertvoll.

    Alles Liebe

  11. Es tut mir sehr Leid, dass dieses Schicksal doch so viele Frauen teilen. Die Geburt meiner Tochter ist knapp 9 Monate her und mich verfolgt dieser Gedanke an die Geburt auch; er nagt; weil es mich immer noch erschüttert wie abgestumpft und grob manches Klinikpersonal war. Eine Geburt kann viele Narben hinterlassen – seelisch und körperlich. Warum hier nun von manchen geurteilt wird was „echte Probleme“ sind und was nicht ist auch nur ein weiterer Ausdruck von verloren gegangener Sensibilität – nicht nur in der Geburtshilfe, sondern auch in der Gesellschaft. Ich bin froh, dass ich eine tolle Nachsorge Hebamme hatte, die mir eine ganz tolle Familienhelferin vermittelt hat – getragen vom Landkreis. Denn ja; letztere sind nicht nur für die sogenannten „Problemfamilien“ da, sondern um jeder Frau in der Zeit nach der Geburt beizustehen. Diese emotionale Aufarbeitung war für mich wichtig. Ich wünsche mir, dass jede Frau eine Anlaufstelle hat, wo auch immer die sein mag. Das Thema ist ganz wichtig und ich finde es toll dass du es auf dem Blog thematisierst!

  12. Mir ging es ganz ähnlich – Schichtwechsel, Wassergeburt gewünscht, Nähen war notwendig… Aber bei mir lief es ganz, ganz anders. In jedem einzelnen Punkt hat die Klinik bzw. das Personal das „Richtige“ getan. Eine Hebamme, die sich für die Übergabe 15 Min Zeit genommen hat und erklärt hat, warum sie leider nicht bleiben kann. Der Wunsch nach Musik und Wasser, dem sofort nachgekommen wurde. Zwei Ärztinnen, die schnell und hektisch dabei waren – und danach in aller Ruhe mit dabei waren, und Raum gelassen haben. Mich gefühlt eine Stunde später erst genäht haben. Auch unsere Geburt war alles andere als einfach. Einzig zum Thema PDA kann ich dir nicht ganz folgen: Hast du unter der Geburt nach einer gebeten? Die dann eben zu spät kam?! Bei mir: Absolut keine PDA gewünscht, aber unter der Geburt habe ich umentschieden und war sehr, sehr dankbar dafür (ich hatte allerdings auch noch fast 9 Stunden vor mir).
    So oder so: Wie können wir an solchen Situationen etwas verändern? Was kann jede einzelne werdende Mutter dafür tun, dass Situationen wie deine nicht zur Norm werden? Meiner Meinung nach: Die Klinik mit Bedacht auswählen und sich vorher mit anderen Müttern unterhalten. Denn am Ende zählt für die Kliniken eben die Geburtenzahl. Und je weniger Geburten in solche Häuser wie deines kommen, desto eher lernen Klinikbetreiber (!), dass ein Umdenken notwendig ist.

    1. Hallo Küchenprinzessin,
      Ich habe eine Freundin, die ist Hebamme im Krankenhaus. Genau wie du sagst, ist der Druck eine hohe Geburtenrate zu haben sehr groß. Wenn diese zurück geht weil das KH einen schlechten Ruf hat, ist die Konsequenz leider keine Verbesserung der Zustände, sondern Schließung der Geburtsabteilung. Die Auswirkungen auf die anderen KH der Stadt/Region und auf die Versorgung der Frauen sind sicherlich vorstellbar.
      Nach ihren Erzählungen weiß ich, dass man sehr idealistisch sein muss um diesen Beruf auszuüben und ich bin heilfroh, dass ich ein gesundes Kind habe und mich diesen Zuständen nicht aussetzen muss.
      LG Sarah

  13. Liebe Janina,

    ich kann sehr gut verstehen, was Du meinst. So eine Erinnerung bleibt. Meine Tochter ist jetzt schon 13 und trotzdem ist das Gefühl der Hilflosigkeit sofort wieder da, wenn ich Deine Zeilen lese. Der Arzt, der mir nach langen Komplikationen einen Kaiserschnitt gemacht hat, hat sich nicht einmal vorgestellt und war genervt, dass er für mich abends nochmal kommen musste. Kein Wort der Beruhigung.
    Zum Glück ist meine Tochter gesund, aber ein zweites Kind habe ich bis jetzt nicht bekommen können. Vielleicht trägt die Erinnerung dazu bei.

    Danke für Deine Offenheit, ich mag Deinen Blog sehr gerne.

    Liebe Grüße
    Tina

    1. Liebe Tina,

      mich stimmt es ganz traurig, dass dich selbst nach 13 Jahren noch das Gefühl von Hilflosigkeit ereilt, wenn du an die Geburt zurückdenkst. Es tut mir weh, zu lesen, wie du behandelt wurdest.

      Ganz ganz lieben Dank für deine Offenheit, danke!

      Herzliche Grüße an Dich
      Janina

  14. Liebe Janina,

    Danke für diesen tollen Beitrag von dir. Ich bin sehr gespannt auf die folgenden Artikel.

    Ich habe selbst vor einem halben Jahr entbunden. Es ist alles gut, wir haben einen tollen, gesunden Sohn bekommen und lieben ihn sehr, wofür wir echt dankbar sind. Wir sind glücklich. Doch trotzdem beschäftigt mich mein Geburtserlebnis sehr, ich denke jeden Tag daran und kann einfach keinen „Haken dahinter machen“. Nicht zuletzt, weil mich meine schmerzenden Narben jeden Tag aufs Neue daran erinnern. Und während ich deine Zeilen gelesen habe, kullerten auch wieder die Tränen. Weil ich sich so gut verstehen kann.

    Die meisten Menschen verstehen es einfach nicht und sagen, es sei doch alles gut und der Rest ist vorbei. Doch es beschäftigt. Macht traurig. Weil auch bei mir einfach alles anders gelaufen ist, als ich es mir gewünscht habe. Fremdbestimmt. Meine Wünsche hatte ich für mich notiert… bei fast allen ist genau das Gegenteil eingetreten. Ich hoffe, dass ich beim nächsten Mal, wenn es eines gibt, eine schönere Erfahrung machen darf.

    Am 25. November ist Roses Revolution Day. Ich denke, werde es nicht schaffen, die Klinik zu betreten… aber vielleicht interessiert es dich. Der Tag gegen Gewalt in der Geburtshilfe.

    Liebe Grüße und alles Gute,
    Anna

  15. Liebe Janina,

    Auch wenn mir unter der Geburt keine Gewalt angetan wurde, waren diese 26 Stunden Wehen ein so tiefer Einschnitt, das ich immer mehr merke, wie mein Hirn ganz viele Erinnerungen gelöscht hat. Ob deine Geburt traumatisch war, entscheidest du und niemand sonst. Und manchmal sogar dein Körper vor dir.

    Hast du daran gedacht, das Thema vielleicht mit der schwierigen Situation unserer freiberuflichen Hebammen zu verbinden? Ich hatte nämlich keine Wahl, ob Geburtshaus bzw. Hausgeburt oder Klinik. Ich musste ins Krankenhaus oder hätte mein Kind auf eigene Faust bekommen können… und ich hatte Glück, dass ich überhaupt eine Nachsorgehebamme gefunden habe…

    Vielleicht bietet sich dein Thema ja an, um darauf aufmerksam zu machen? Eigentlich sollte dieser Zustand einen Aufschrei auslösen. http://www.mother-hood.de

    Liebe Grüße,
    Daniela

    1. Liebe Daniela,

      das tut mir so leid. Deine Worte zu lesen schmerzt. Die Hebammensituation wie sie ist, ist nicht haltbar. Und genau darauf möchte ich auch hinaus. Es ist doch so unglaublich wichtig, wie ein Kind zur Welt kommt. Für Mutter und Kind. Es ist prägend, ein Leben lang. Es kann nicht sein, das Hebammen und auch Ärzte verheizt werden, dass die Geburtshilfe in einem Land wie unserem so kämpft. Mich stimmt das wütend und traurig.

      Es ist schrecklich, dass du keine Wahl hattest. 🙁

      Herzliche Grüße an Dich
      Janina

  16. Hallo liebe Janina und Mitleserinnen,

    ich finde den Schritt, über dieses Thema zu schreiben, einfach großartig! Wenngleich es ein sehr intimes Thema ist. Aber ich glaube auch, dass hier mal wachgerüttelt werden muss! Es darf nicht sein, dass eine Geburt – so erwas Großartiges und Unvergleichliches – so ökonomisch abgefertigt wird. Das Personal selbst trifft selten die Schuld, denn letztlich sind sie auch nur die Erfüllungsgehilfen ihres Arbeitgebers und halten sich an die Vorgaben.

    Mitunter wird für das Personal der Druck so stark – sie stehen ja letztlich auch zwischen den Stühlen, dass sie nur noch funktionieren und dann eben gar nicht mehr auf die Frauen während der Geburt eingehen. Ich glaube, dass jede Frau sehr fähig ist, zu entscheiden, was sie unter der Geburt möchte und was nicht! Es sollte immer nur dann in diese Abläufe eingegriffen werden, wenn dies medizinisch notwendig wird! Aber eben nur dann! Sonst sollte der Frau der Raum und die Geborgenheit gegeben werden.

    Ich selbst hatte zwei Geburt, die gegensätzlicher nicht sein können . Meine erste Geburt verlief bis zu einem Schichtwechsel – Nachtschicht/ Frühschicht sehr ruhig und vertraut. Die nachfolgende Hebamme machte sofort Druck, denn schließlich hatte sie noch zwei Einleitungen, was ich später dann erfuhr. Und das bekam ich zu spüren. Doch ständig die Kraft noch für was herzugeben, was für die Leute im Kreißsaal keinen Belang hat, war eigentlich sehr kontraproduktiv sodass ich aufgab. In 1,5 Std. wurde mir ein Wehentropf gelegt, Sauerstoff verabreicht und drei Ärztinnen lagen zum Schluss auf meinen Bauch und haben das Kind rausgeschoben. Gefühlt habe ich mich wie im falschen Film. Nur die Glückshormone haben mich über diese völlig schlimmer Erinnerung an diese Geburt getragen. Ich fühle mich noch heute um meine erste Geburt völlig betrogen, entmündigt, betroffen, bloßgestellt und unfähig! Aufarbeitung Fehlanzeige. Es gab nie eine Möglichkeit das Geburtserlebnis zu besprechen. Auch nicht bei der Nachsorgehebamme. Und ich finde das so unendlich wichtig, dass man diese Möglichkeit bekommt! Das Gefühl bei der ersten Geburt versagt zu haben, hat sich mit der zweiten Geburt sich nochmals verstärkt. Denn da habe ich erleben dürfen, wie eine Geburt schöner nicht sein kann. Selbstbestimmt, geborgen, bestätigt und vollends glücklich. Es lief alles anders, als bei der ersten Geburt. Ich finde es unglaublich wichtig, dass sich die Frauen sicher fühlen und gestärkt werden, während der Geburt. Zeit darf keine Rolle spielen, wenn der gesundheitliche Aspekt stimmt. Nie! Und jede Frau sollte die Möglichkeit haben, über ihre Geburt sprechen zu können und nicht nur dann, wenn es nicht so gut ausgeht, sondern immer. Das Netzwerk Frauenärzte/ Kliniken/ Hebammen muss funktionsfähig bleiben bzw. wieder besser werden. Auch dafür setze ich mich sehr gern ein! Ich wünsche jeder Frau eine selbstbestimmte Geburt mit der Betreuung, die sie sich wünscht. Ich wünsche allen viel Gesundheit und immer ein gesundes Baby?

  17. Ich finde es sehr schade, dass diese Gedanken nicht in einem persönlichen old school Tagebuch sondern auf einem öffentlichen Blog landen und so unzählige Frauen dadurch noch mehr verunsichert werden.
    Ja, es ist schade, dass deine Geburt von Schmerzmitteln begleitet wurde, aber sorry, wer nach einer PDA verlangt, darf sich danach auch nicht beschweren eine bekommen zu haben. Eine Geburt ist für Körper und Geist eine der wohl größten Anstrengungen und in der Regel kein Wellnessurlaub in der Badewanne mit Entspannungsmusik. Trotzdem kann sie mit Ausdauer und Disziplin zu einem schönen Ereignis werden. Natürlich braucht es dafür auch einen Partner an der Seite. Ein Trainer sozusagen, der zwar nicht selbst auf den Platz darf, aber dafür sorgt, dass seine Spielerin leistungsfähig ist und dafür, dass vereinbarte Spielregeln eingehalten werden, wenn sie „aus der Puste kommt“. Gleichzeitig braucht es mentale Flexibilität für all die überraschenden Spielzüge des Lebens. Eine Geburt folgt keinem Plan, genauso wenig wie das Leben selbst!
    Ich hoffe, dass sich Frauen irgendwann wieder trauen, selbstbestimmt ein Kind zu gebähren, denn dafür sind wir gemacht! In manchen Fällen kann eine PDA Kraft für die notwendige Verlängerung geben. Aber eines ist klar, der Einsatz lohnt sich! Jede Mutter darf stolz darauf sein, einem kleinen Menschen das Leben geschenkt zu haben. So oder so!

    1. Liebe Larissa,

      ich kann deine Gedanken zum Teil nachvollziehen. Aber ich finde es wichtig, auch über diese Dinge zu sprechen. Öffentlich. Aufzuzeigen, dass unser System bröckelt und eine adäquate Versorgung in der Geburtshilfe kaum noch möglich ist. Dass die Menschen dort, Hebammen wie Ärzte, verheizt werden, resignieren. Es ist meiner Meinung nach vollkommen in Ordnung, zu sagen, dass ich traurig bin. Natürlich läuft eine Geburt nicht unbedingt nach Plan, wie das Leben eben auch. Natürlich kann eine PDA auch helfen, sicherlich. Aber ich habe vorab bewusst die Einverständnis nicht unterschrieben. Unter dem Schmerz sagt eine Frau nicht selten Dinge, die sie so gar nicht möchte. Auch bei meiner großen Tochter habe ich nach einer PDA gebettelt. Obwohl ich keine wollte. Weshalb ich vorab auch keine Einverständniserklärung unterschrieben hatte. Und man hat mich unterstützt, ich habe keine Schmerzmittel und auch keine PDA bekommen. Es war eine schöne Geburt, an die ich gern zurückdenke. Leider empfinde ich bei dem Gedanken an meine letzte Geburt hauptsächlich Traurigkeit und ich fühle mich, als hätte ich versagt. Es schmerzt. Auch wenn es im Vergleich natürlich Lappalien sind, keine Frage.

      Ich denke, wir alle sollten offener darüber sprechen. Das hilft, uns allen. Denn das klärt auf und gibt Mut!

      Liebe Grüße an Dich
      Janina

      1. Danke für deine Antwort! Ich finde leider nicht, dass dein Artikel Mut macht. Und auch mit Aufklärung hat es aus meiner Sicht nichts zu tun. Es hört sich eher schrecklich an, was du über dich „ergehen“ lassen musstest. (Musstest du?) Da du dein Kind natürlich entbunden hast, verstehe ich deinen Gedanken, versagt zu haben, auch ehrlich gesagt nicht! Ich hoffe, öffentlich bald mehr über schöne Geburten lesen zu können anstelle von „Notkaiserschnitt“ etc. Warum sind wir Frauen nur immer so selbstkritisch? Dammschnitt, PDA, Hängebrüste, After-Baby-Body…. We gave birth to a child! It’s time to celebrate!
        Wenn wir es noch nicht einmal tun, wer dann?

  18. Liebe Janina,
    du hast einen ganz wundervollen und so richtigen Text zu dem Thema geschrieben.
    Ich habe unseren ersten Sohn vor über 7 Jahren bekommen, wurde genau wie du unter der Geburt entmündigt und meinem Gefühl nach vergewaltigt. Ich habe mich jahrelang schuldig an diesem „Versagen“ gefühlt und mir vorgeworfen meinem Sohn keine „bessere Geburt ermöglicht zu haben“. – und auch wir sind „gesund und munter“ aus dem Krankenhaus entlassen worden, aber die Gedanken haben mich nie losgelassen. Ich bin nach über 5 Jahren meinen Geburtsbericht mit meiner Hebamme durchgegangen und habe verstanden, dass nicht ich, sondern das geburtshilfliche Team versagt und falsch gehandelt haben. Im November 2015 habe ich im Rahmen der Roses Revolution eine Rose und einen Brief vor dem Kreißsaal abgelegt und keine Antwort erhalten, im Juni 2016 habe ich einen Brief an das Qualitätsmanagement der Klinik geschrieben und nach einem Monat eine Antwort mit einem Angebot für einen Gesprächstermin mit dem Chefarzt bekommen. Ich bin mit meinem Mann dort hingegangen und hatte ein sehr emotionales, aufwühlendes, aber auch versöhnliches Gespräch… Wir, die so etwas erlebt haben, müssen aufstehen und laut werden, damit sich etwas ändern kann.
    Danke für deinen Text, ich habe ihn geteilt und hoffe so sehr, dass ihn viele Frauen lesen und sich um eine gute Geburt bemühen, bevor sie sich gutgläubig in der Hoffnung um die bestmögliche Versorgung in ein Krankenhaus begeben!

    Meine 2. Geburt war vor einem Jahr in einem sehr kleinen Krankenhaus – ich hatte keinen Geburtspaln geschrieben, aber all meine Wünsche (und die waren nicht weltbewegend – einfach nur keine unagekündigten und vorschnellen Interventionen und KEIN liegen auf dem Rücken) im Vorfeld mit dem Kreißsaal besprochen und dann eine selbstbestimmte, würdevolle, achtsame Geburt, die mich „geheilt“ hat – körperlich und seelisch. Denn jetzt weiß ich wirklich, dass ich NICHT SCHULD war.

  19. Ohje…stöber grad deinen Blog durch und bin auf den Artikel gestoßen. Genau aus den Gründen wie mit dir umgegangen wurde hab ich mich gegen eine Krankenhausgeburt entschieden. Dazu muss man sagen, dass wir hier in der Nähe zum Glück ein Geburtshaus haben. Ich hatte also die Wahl. Meine Frauenärztin hat zudem auch immer gesagt so lange die Schwangerschaft ohne Komplikationen verläuft spricht nichts dagegen. Einmal musste ich zu einer Vertretung und der wollte mir das Geburtshaus ausreden-keine Chance…so kam meine erste Tochter 2015 im Geburtshaus zur Welt und unsere Mini vor 12 Tagen zu Hause, nachdem ich die Große damals schon fast daheim bekommen habe habe ich mich diesmal direkt für eine Hausgeburt entschieden;-) Ich hoffe falls wir ein drittes Kind bekommen sollten arbeitet meine Hebamme noch. Sie ist nämlich die Einzige im Umkreis die Hausgeburten anbietet und auch das Geburtshaus würde es dann voraussichtlich nicht mehr geben. Der Gedanke macht mich sehr traurig, denn sie hat mir 2 wunderschöne Geburten geschenkt für die ich ihr immer dankbar sein werde <3

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