KINDER DENKEN NICHT IN HAUTFARBEN
– die Zukunft in den Händen unserer Kinder

Vor etwa drei Wochen in einem Eiscafé.

Eine Frau, vielleicht Ende Sechzig. Sie sitzt auf einer der Stufen vor dem Eisladen. Neben ihr ein Mann, vermutlich ihr Mann. Sie essen Eis. Warum sie mir aber auffallen – sie starren, sie verfolgen mit ihrem Blick, sie blicken abschätzig. Aus ihrem Blick kann ich ganz klar Abneigung lesen. Sie rümpft die Nase. Dieser bohrende Blick, mit dem sie eine kleine Familie, einen Vater mit seinen zwei Kindern, verfolgen. Und ihr Blick soll sich auch in den nächsten wenigen Minuten nicht lösen. Ja, sie starren. Zwar still und leise, aber das macht es in meinen Augen nicht weniger schlimm.

Was dieses Ehepaar stört? Ganz offensichtlich die Hautfarbe. Denn dieser Vater, dieser Mann mit seinen zwei Kindern ist schwarz.

Eine kleine Familie von vielen an diesem Tag in diesem Eiscafé. Ganz offensichtlich hat das ältere Paar ein Problem mit der Hautfarbe oder Herkunft dieser Familie. Ich frage mich, wie sich wohl der Familienvater fühlt, dem dieser Blick gilt. Wie sich seine Kinder fühlen. Ob sie tagtäglich mit ähnlichen Reaktionen kämpfen müssen? Diskriminierung? Ob es sie verletzt oder ob sie es gar ignorieren und wegschieben können. Wie muss sich das anfühlen?!

Schrecklich. Es ist einfach nur schrecklich und völlig daneben. Und es widert mich an. Fremdenfeindlichkeit, Alltagsrassismus, egal in welcher Form, widert mich an. Dafür haben ich kein Verständnis. Als wir aufstehen, um zu gehen, kann ich mir einen knappen Spruch nicht verkneifen. Es geht einfach nicht. Ich muss etwas sagen. Allein schon deshalb, weil ich hoffe, dass diese Beiden es beim nächsten Mal vielleicht nicht mehr tun.

Am Abend unterhalte ich mich mit Henry. Wie so oft greifen wir gerade abends, wenn die Kinder schlafen und Ruhe eingekehrt ist, noch einmal Themen auf, die uns über den Tag beschäftigen. An diesem Abend sprechen wir über Fremdenfeindlichkeit im Alltag. So ganz allgemein. Darüber, wie es sein könnte {und müsste!} und wie es leider doch noch oft ist.

Ich erinnere mich an die Worte einer türkischstämmigen Freundin, die einmal zu mir sagte, sie wäre heimatlos. Immer zwischen den Stühlen. Geboren ist sie in Deutschland, sie fühle sich als Deutsche, aber sie wird nicht als Deutsche akzeptiert – wegen ihrer dunklen Haare, ihrem Aussehen und wegen ihres Namens. Gleichzeitig akzeptiert man sie in der Türkei aber auch nicht als Türkin. Ihre Worte waren damals:

„Ich lebe zwischen den Kulturen, werde heimatlos gemacht, als würde ich nirgends reinpassen, nirgends dazugehören, nirgends willkommen sein – was aber nicht an mir liegt, weil ich im Herzen deutsch bin.
Aber hier werde ich häufig nicht als Deutsche akzeptiert und in der Türkei als Türkin ebenso wenig!“.

Ihre Worte hallen bis heute nach. Ich kann es nicht verstehen, sind wir doch alle Mensch. Völlig egal welche Hautfarbe wir tragen, völlig egal woher wir letztendlich kommen und wo unsere Wurzeln liegen. Mensch ist Mensch.

Wann hört das endlich auf?

 

Unsere Kinder sind die Zukunft,
sie denken nicht in Hautfarben

Für unsere Kinder ist die Welt ganz selbstverständlich kunterbunt.
Sie denken nicht in Hautfarben.
Sie leben in einer transkulturellen Gesellschaft.
Für sie ist all das normal.

Und das ist toll und gut! 

Und dann kamen wir auf Anni zu sprechen, oder eher auf Annis Generation. 14 Jahre ist sie jetzt alt und ein kunterbuntes Deutschland, eine kunterbunte Welt ist für sie selbstverständlich.

Ihre Klasse ist bunt, ihr Freundeskreis ist es ebenso und ehrlich, das ist gut so. Ich hab noch nie bewusst darüber nachgedacht, bis jetzt, aber ich finde das toll. Für sie ist das Normalität. Ihre Freundinnen und Freunde, Klassenkameraden oder Trainingspartner kommen aus allen Ecken dieser Welt und sie denkt gar nicht darüber nach. Weil es für sie so normal ist. Weil sie den Menschen sieht. Auch bei Mimi ist es so. Auch für sie bedeutet all das Normalität. Transkulturalität.

Unsere Kinder wachsen mit Menschen unterschiedlichsten Hautfarben und Mentalitäten auf. Und so wird diese neue Generation, unsere Zukunft, global denken und Fremdenfeindlichkeit wird damit {hoffentlich} immer weniger ein Problem sein. Sie werden nicht im Eiscafé sitzen und die Nase rümpfen oder gar andere Dinge tun. Das zumindest hoffe ich und wünsche ich mir – für uns alle – für diese Welt und uns Menschen.

Unsere Kinder und Kindeskinder werden so viele Dinge besser machen. Davon bin ich fest überzeugt. Weil sie so anders aufwachsen. Und weil sie ganz andere Möglichkeiten haben. Natürlich werden auch sie ihre Probleme haben, andere Probleme als wir sie bisher kennen, aber Fremdenfeindlichkeit wird hierbei hoffentlich keine große Rolle mehr spielen. Stellt euch das einmal vor – eine Welt, in der etwas Gegebenes wie eine Hautfarbe oder die Herkunft keine Rolle mehr spielt. In der nur noch der Mensch zählt. Wie wundervoll und schön das wäre.

Wir können einen neuen und besseren Weg einschlagen und bereits die Weichen für unsere Kinder stellen – in dem wir ihnen mit Respekt und Liebe begegnen. Wir können und müssen ihnen Vorbild sein und sie bestärken und ermutigen. Wir sind Vorbild. Leben wir ihnen schon jetzt vor, wie es besser geht und zeigen wir unseren Kindern, dass diese Welt und all die Menschen auf ihr nur eines sind: Mensch. Egal ob schwarz oder weiß, egal ob rot oder gelb. Egal ob arm oder reich. Egal ob Moslem, Christ, Jude oder was auch immer. Mensch.

Unsere Kinder sind die Zukunft und der Schlüssel.
Und das macht mir Hoffnung.
Wir sind die Saat. Wir müssen das kleine Pflänzchen der Toleranz pflanzen, es hegen und pflegen und wachsen lassen.
Auf in eine bessere Welt ohne Diskriminierungen oder Ausgrenzung.

 

Es mag sein, dass meine Hoffnung in eine bessere Zukunft ohne Rassismus, naiv wirkt.
Aber stellt euch doch einmal vor, wie gut da wäre. Wie schön. Wie bereichernd für uns alle.
Hand in Hand, miteinander, als Mensch. Als wir.
Ich finde, das ist ein gutes Ziel, für das wir uns alle einsetzen sollten.

 

 

 


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Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Ich wäre mit solchen Behauptungen vorsichtig, es kann genauso gut sein, dass der Vater vor ihnen zu einer erzieherischen Maßnahme gegriffen hat, oder die Kinder sich ihnen gegenüber falsch verhalten haben…es gibt außerdem Gründe jemanden nicht zu mögen, da sofort zu unterstellen, dass es die Hautfarbe sein muss, ist genauso schlimm, als wenn die Hautfarbe tatsächlich der Grund ist, jemanden nicht zu mögen.

    1. Ich saß gegenüber, 5 Meter entfernt.
      Ich kann die Situation damit sehr gut einschätzen. Und nein, da haben sich alle richtig verhalten – abgesehen von der Dame. Es war alles schon sehr offensichtlich, sonst hätte ich meine Gedanken dazu nicht niedergeschrieben.

  2. Ich bekomme es leider auch immer wieder mit, wie Menschen die ich liebe unter diesem Alltagsrassismus leiden. Für mich ist es besonders schlimm, dass ich so machtlos bin und nicht helfen kann. Ich überlege ständig, was man machen könnte, damit es besser wird. Das einzige was mir einfällt ist, dass ich ein gutes Vorbild für meine Kinder bin. Leider haben aber viele Kinder bei diesem Thema keine besonders guten Vorbilder zu Hause. Deshalb denke ich auch, dass Rassismus leider nicht aussterben wird. Und viele Menschen sind nicht so couragiert wie du und machen in solchen Situationen den Mund auf.

    1. Liebe Christiane,

      es geht einfach nicht in meinen Kopf und oft frage ich mich, woher kommt diese Beschränkung.

      Ich hatte mich letzte Woche, der Post schlummert schon ein paar Tage länger in den Entwürfen, noch einmal mit meiner Freundin (sie ist Perserin) unterhalten. Sie sieht das leider auch nicht ganz so optimistisch wie ich, weil sie auch genau dein Argument aufgeführt hat. Sie sagt, dass viele Kinder leider eben nicht das Vorbild haben, das sie bräuchten. Und sie sagte auch, dass man es heute noch immer schwer hat. Vermutlich erlebe ich sowas so selten, weil ich nur Freunde und Bekannte haben, die denken wie ich. Die Alltagsrassmus und Fremdenfeindlichkeit einfach genau so verdammt k**** finden.
      Ich wünsche mir für die kommenden Generationen, dass sie das anders machen. <3

      Ganz ganz liebe Grüße an Dich
      Janina

  3. Hallo Janina,
    ich bin genauso gegen Rassismus und befürchte aber auch, dass es leider (zumindest nicht in Kürze) aussterben wird. Darf ich fragen was du zu dem älteren Paar gesagt hast und was sie dann gesagt haben bzw. wie sie daraufhin reagiert haben?

    Liebe Grüße,

    Lilo

  4. Liebe Janina,

    wie deine Freundin bin auch ich heimatlos. Ich bin zwar hier in Deutschland geboren, aber werde nicht als Teil der Gesellschaft gesehen. Ich gehöre hier nicht richtig hin oder besser dieses Gefühl wird mir seit dem Kindergarten vermittelt. Im Iran, wo meine Eltern herkommen, hatte ich dieses Problem komischerweise nie. Ich finde es sehr traurig und diese Blicke spüren mein Mann und ich täglich und ehrlich gesagt wird es immer schlimmer. Traurig, aber leide wahr. Ich hoffe, dass die nächste Generation immer weniger auf die Hintergründe achtet, sondern auf den Menschen. Toller Beitrag, ich finde es super, dass du das ansprichst! Liebe Grüße Yasmin

  5. Liebe Janina,
    dein Beitrag ist wirklich toll!
    Ich habe einen deutschen und einen arabischen Elternteil, bin aber selber nur Deutschsprachrig aufgewachsen. Gerade durch meine deutsche Mama wurde ich in meinen jüngeren Jahren auch immer als „deutsch“ akzeptiert, doch je älter es wurde, fest mehr änderte es sich. Erst gestern fragte ein Dozent alle im Seminar, aus welcher Stadt sie kommen. Eine im Auslandgeborene fragte er was anderes und mich fragte er dann, ob ich auch im Land meines Vaters geboren wurde. Ich antwortete darauf (da er das bereits nach meiner Herkunft gefragt hatte): „Nein, wie gesagt, meine Mutter ist Deutsche. Ich bin ganz normal hier aufgewachsen.“ Nach meiner Heimatstadt fragte er nicht. Alle anderen Deutschen schon. In dem Moment fühlte ich mich wirklich seltsam. Für mich ist meine Heimat auch hier. Nur hier kenne ich mich aus, nur die deutsche Sprache ist „meine“, dennoch wird man aufgrund seines Aussehens immer nur darauf reduziert.
    Gerade durch Özil und Gündoğan ist die Debatte wieder groß, sie sollen sich als Deutsche anpassen und von der Türkei distanzieren. Dazu kam ein Beitrag im Fernseher, in dem Türken befragt wurden, ob sie „Deutsche“ sind, oder „Türken“. Dabei ist doch vor allem wichtig, wie die Gesellschaft einen akzeptiert. Sobald man nicht typisch Deutsch aussieht und/ oder keinen dt. Namen hat „darf“ man sich nicht als Deutsch beschreiben.
    Das du so über das Thema nachdenkst, obwohl es dich selber nicht betrifft, finde ich toll. Auch das du dm Paar gegenüber einen kecken Spruch gemacht hast. Sowas zu hören gibt „Hoffnung“ 🙂
    Nun ja, mein Kommentar wurde lang, es lag mir nur eben auf dem Herzen.

  6. Da haben sich ein paar Auokorrekturfehler (von Handy) eingeschlichen, ich hoffe, die machen das alles nicht unverständlich – ich habe sie erst jetzt gesehen.
    Auch das ist wohl was, worauf ich großen Wert lege es zu erwähnen, weil Leute aufgrund meines Namens/ Aussehens dann sofort denken „Ach, die kann ja eh kein richtiges Deutsch“ Doch, das kann ich – eben meine Muttersprache 🤷🏻‍♀️ Aber Rechtschreibfehler, besonders wegen der Autokorrektur, kennt wohl jeder 😅

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