Fassade

Damals, als ich dich kennenlernte, da war diese Verbindung.
Du warst gar nicht mein Typ und doch hattest du mich – direkt in den ersten Minuten.

Ich saß dir gegenüber und hörte dir zu, beobachtete dich, mein Herz noch so geschunden, meine Seele in Trümmern.

Ich war lost. Am schwimmen. Am strampeln.
Immer in der Angst, unterzugehen und es nicht wieder hoch zu schaffen.
Zerbrechlich. Wie ein scheues Reh. Immer mit dieser Fassade.

Morgens, wenn ich aufstand, legte ich sie auf. Wie eine Maske.
Das breite Lächeln. Immer ein Lächeln.
Diese überdrehte, immerfrohe Art.
Ablenken. Bloß ablenken.
Während ich lachte und lachte und lachte, war es in mir düster. Und kalt. So kalt.
Diese Angst, die mich hatte. Die mich hielt, in ihren Händen.
Panik. Angst, die Augen zu schließen. Angst, die Augen morgens wieder aufzumachen.
Diese Macht. Die ich über mich nicht mehr hatte. So glaubte ich.
Mein Ich, so klein, geduckt und versteckt.

Damals, als ich dich traf, da warst du das flackernde Licht in der Finsternis.
Du saßt mir gegenüber und schautest mich an.
Als würdest du in mich hineinsehen,
Als würdest du verstehen. Sofort wissen.
Wissen, dass das Lächeln nicht echt ist.
Wissen, dass meine Seele in Scherben liegt.
Wissen, dass ich einsam bin.
Einfach wissen, dass hinter der Fassade eine andere Janina steckt.

Du bist mein Licht. Bis heute.
Du hast mir die Hand gereicht und mir die Fasse abgenommen.
Weg war sie.
Ich fühlte mich manchmal nackt. So verletzlich, ohne diese Fassade.
Zerbrechlich.
Es brauchte so viel Zeit.
Zeit, um die Angst herauszulassen.
Nur um sie dann zu verabschieden. Zu begraben.
Du hast mein Herz geflickt.
Hast die Scherben in mir aufgesammelt und Stück für Stück zusammengesetzt.
Wie ein Puzzle.
Ganz geduldig. Und voller Verständnis.

Du hast ausgehalten. Hast zugehört. Hast mich aufgefangen.
Und warst mein Licht.
Zu jeder Zeit – bis heute.

Weißt du, wenn ich an diesen Tag zurückdenke.
Dann ist das so viel Liebe.
Und ich spüre Dankbarkeit.
Dankbarkeit für dich, Dankbarkeit für das was wir heute haben.
Diese Fassade, die mich so lange begleitet hat, ist weg.
Ich brauche sie nicht mehr.
Nie wieder.
Und das, das habe ich dir zu verdanken!


Dieser Beitrag hat 18 Kommentare

  1. Das ist schön. Ich freue mich für euch beide mit. LG alu

    1. Meine liebe Alu,

      ich danke dir so. Danke!
      Manchmal braucht es den richtigen Menschen zur richtigen Zeit. <3

      Ganz ganz liebe Grüße an dich
      Janina

  2. So wahr und dabei so poetisch!
    Manchmal, wenn ich an eindrucksvollen Gebäuden mit hübschen Fassaden vorbeigehe wünsche ich mir, wir hätten ein Welt ohne Fassaden. Menschen wie offene Wohn-Ess-Bereiche; einladend und Geborgenheit schenkend. Dann sehe ich all die Touristen, die die Fassade bewundern und fotografieren….
    Und dann sind wir wieder bei der Frage, wer zu erst da war?!
    Liebe Janina, vielen Dank für deinen Text, er ist sehr inspirierend!

    1. Liebe Hannah,

      dein Beispiel – wie wahr.
      Wir alle haben doch irgendwie eine Fassade. Dabei wäre es ohne so viel einfacher, und schöner. Für uns alle.
      Das würde den Druck nehmen.

      Ich danke dir sehr für deine lieben Worte!

      Ganz liebe Grüße an Dich
      Janina

  3. Na ja, wenn du es endlich schaffst, einen Text ohne Schreibfehler zu veröffentlichen streiche ich den Tag rot im Kalender an.
    Zu diesem Text: Da hat dein Mann eine ganz schöne Last zu tragen. Was, wenn eure Beziehung mal auseinander geht? Bist du dann noch lebensfähig?

    1. Es ist eigentlich nicht so meine Art, aber: Es gibt so einige Texte, die sich in Bezug auf Interpunktion und Orthographie irgendwo zwischen Prosa und Poesie einordnen lassen. In der Poesie werden eben jene Regeln oft verfremdet und als Stilmittel eingesetzt. Janinas Text würde ich dazu zählen. Ich kann aber auch verstehen, dass es einige Leser überfordern mag.
      In Bezug auf Küchen-Psychologie: Es ist Aussage genug, dass solche Kommentare freigeschaltet werden! Natürlich darf man alles kritisch hinterfragen aber bitte mit Würde und Respekt. Und Selbstironie.

  4. Liebe Lona, dann überprüfe du doch bitte mal die Kommasetzung deines Kommentars. Danke.

    1. Die Rache des Rotstifts – bombe, Stefanie!

  5. Was bringt es dir, einen solchen Kommentar zu veröffentlichen, Lona? Es gibt bestimmt genug Verbesserungsbedarf in deinem eigenen Leben, ehe du andere Menschen öffentlich angreifst..

    Liebe Janina,
    ich bewundere dich für deine Offenheit und Ehrlichkeit, trotz solcher Menschen. Ein wunderschöner, starker Text!

    1. Liebe Hanna,

      ganz ganz lieben Dank dir für die lieben Worte. Das bedeutet mir viel.
      Und natürlich lass ich mir von ein paar Hirnis nicht die Freude am Schreiben nehmen. 🙂

      Ganz ganz liebe Grüße an Dich
      Janina

  6. Haha, Stefanie S, genau das dachte ich auch. Wie peinlich diese Lona… 🙂

    Sehr schöner Text, Janina!

    1. Liebe Juli,

      ganz ganz lieben Dank. <4

      Viele liebe Grüße an Dich
      Janina

  7. Liebe Janina, wow, habe Gänsehaut bekommen bei deinem Text. Ganz toll geschrieben, sehr rührend und auch inspirierend.

    Und lass dich von einigen Kommentaren nicht unterkriegen. Die haben keine Ahnung. Kann da nur den Kopf schütteln.
    Mach weiter so!

    LG Franzi

    1. Liebe Franzi,

      ich danke dir sehr für dein liebes Feedback. Irgendwie wollten die Worte einfach raus. <3
      Und nein, so ein paar olle Kommentare tun mir nichts.
      Noch einmal so lieben ,herzlichen Dank.

      Ganz liebe Grüße
      Janina

  8. Liebe Janina, wow, habe Gänsehaut bekommen bei deinem Text. Ganz toll geschrieben, sehr rührend und auch inspirierend.

    Und lass dich von einigen Kommentaren nicht unterkriegen. Die haben keine Ahnung. Kann da nur den Kopf schütteln.
    Mach weiter so!

    LG Franzi

  9. Schrecklich, wie schlecht es dir ging und wundervoll, dass dein Partner dich gerettet hat.
    Trotzdem kann professionelle Hilfe bei solch großen psychischen Problemen ein Segen sein.
    Sei mutig: Hol dir Hilfe!
    Mentale Gesundheit ist elementar wichtig, gerade für alleinerziehende Mütter.

    1. Danke Dir Gerlinde, er hat mich nicht gerettet. Aber er hat mir gezeigt, dass Liebe sein kann und dass sie auf Augenhöhe gelebt werden kann.
      Auch habe ich keine psychischen Probleme. Und alleinerziehend bin ich auch nicht. Aber dennoch ganz lieben Dank.

Schreibe einen Kommentar

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere

Menü schließen