Lippenstift hilft,
Lippenstift hilft immer!

Schlaf wird vollkommen überbewertet?
Nein, wird er nicht – verdammt nochmal!
Oder doch?

 

Damals, als ich noch jung und knackig war, da hab ich geschlafen. Halleluja, was hab ich gut geschlafen. Zwar nie besonders viel oder lang, ich war schon immer eher Team Frühaufsteher, aber nein, Schlafmangel habe ich nun wirklich nicht gelitten. Nie. Ach ja, die guten alten Zeiten. Lang lang ist es her. Und wisst ihr was? Ich hab den guten, alten erholsamen Schlaf gar nicht geschätzt. Warum auch – „kannste ja immer haben, ne!“, dachte ich mir. Jetzt, über 15 Jahre und drei Kinder später, frage ich mich immer häufiger, wer ist eigentlich dieser Schlaf und wo versteckt er sich?

Ich bin müde. Ich bin so müde, dass mein Kopf sich wie gelähmt anfühlt. So müde, dass ich mir nichts mehr merken kann, Dinge schlichtweg verpeile oder verwechsle. Ich bin so müde, dass ich Gesprächen manchmal nicht mehr folgen kann, „hä, was hast du gerade gesagt?“, oder aber ich muss die eine Seite im Buch gleich zweimal lesen, weil ich, angekommen am Ende der Seite, schon wieder vergessen habe, was am Anfang geschrieben stand. Ja, mein Kopf fühlt sich bleiern an. Schwer und träge. Mein Körper ebenso. Manchmal, da wünsche ich mir einen Schnaps herbei. Geht natürlich nicht. Aber was geht, das ist ein kurzes Sekunden-Schläfchen auf dem stillen Örtchen – haha. Und nein, ich gebe die Hoffnung auf eine erholsame Nacht mit ein paar Stunden Schlaf am Stück nicht auf. Irgendwann, das ist sicher, da schlafe auch ich wieder. Bis dahin beneide ich den Mann um seinen ruhigen Schlaf.

Letzte Woche dann saß ich der Ärztin gegenüber.

„Wissen Sie, ich fühle mich so richtig abgeschlagen und so wirklich denken kann ich auch nicht. Ich nehme zum Teil gar nicht mehr so richtig am Leben teil!“.

„Schlafen Sie ausreichend?“, fragt sie mich.

Ich schaue sie mit großen Augen an. „Schlaf? Wer oder was ist das?“, sage ich und lache. Ich erzähle ihr, dass ich mich nicht konzentrieren kann. Dass ich Dinge einfach vergesse oder Termine trotz Kalender komplett durcheinander bringe. Dass ich Gesprächen nicht gut folgen kann. Ja, dass es mir schwer fällt, meine Arbeit zu machen. Sie nickt und lächelt.

„Stillen Sie?“.

Ja, ich stille noch immer und der kleine Mann „isst mir die Haare vom Kopf“. Der hat einen Bärenhunger. Schon immer. Selbst jetzt, wo er neben der Mamamilch zu den Mahlzeiten riesige Portionen Brei verdrückt und am Abend regelmäßig noch eine Flasche mit einem Seufzer wegzieht, kommt er fast jede Stunde. Und ich genieße das auch in vollen Zügen. Diese ganz besondere Nähe ist für mich wunderschön und kostbar. Ja, ich bin sehr dankbar, das so erleben zu dürfen. Und ich spüre, dass der Junge meine Brust eben oft auch wegen der Nähe braucht. Er ist sensibel. Hat ein ganz besonders zartes Wesen. Und er braucht meine Mamabrust, seine Nana. Sie ist sein Hafen, sie gibt ihm Sicherheit. Das werde ich ihm nicht nehmen. Auch wenn das für mich heißt: Team „no sleep“. Ok, da bin ich mal wieder vom Thema abgekommen. Konzentration bitte. „Ja, ich stille noch sehr viel!“, antworte ich und nicke.

Die Ärztin lacht und sagt: „Wissen Sie Frau Westphal, ich weiß so ziemlich genau wie Sie sich fühlen. Ich kenne das noch zu gut! Der Schlaf kommt zurück. Irgendwann. Ganz sicher. Und Sie stillen auch noch. Es ist bewiesen, dass bei Frauen, die stillen vorübergehend das Hirnvolumen abnimmt. Der Fokus der Mutter liegt bei dem Baby. Mutter und Kind leben in dieser ersten Zeit in ihrem ganz eigenen kleinen Mikrokosmus und die Mama richtet sich komplett nach den Bedürfnissen des Neugeborenen. „Die Mutter möchte das Baby ja gesund und munter durchbringen“ und dementsprechend verlagert sich der Fokus. Eine frisch gebackene Mutter findet zum Beispiel häufig gar nicht erst in eine richtige Tiefschlafphase, dementsprechend gering ist die Erholung. All das in einem Wort zusammengefasst: Stilldemenz. Kennen wir Mamas wohl fast alle…. Und äh, ich hab es schon wieder vergessen. Ach so, Stilldemenz, darum ging es. Ich hab bei der Verteilung besonders laut HIER gerufen.

Du leidest unter Stilldemenz, wenn du…

  • Um Himmels Willen, jemand hat mein Auto geklaut. Ach ne, doch nicht. Ich hab es gefunden. Ich habe es nur woanders geparkt.
  •  …mal wieder deinen Autoschlüssel suchst und ihn dann letztendlich im Kühlschrank oder Wäschekorb findest.
  •  „hä, was hast du gerade gesagt?“
  •    …kurz vor knapp feststellst, dass du ja noch ein Kind im Kindergarten abholen musst.

 

Ich bin momentan also nicht nur todmüde, ich leide auch an Stilldemenz. Na Prost Mahlzeit, das kann ja noch lustig werden. Besonders lustig für all die lieben Menschen um mich herum. Aber was soll ich tun. Schlaf bekomme ich nicht, ein Gläschen in Ehren ist nicht erlaubt und wer weiß, wie lange ich noch stille. Das entscheidet ja letztendlich nur einer, der Junge selbst. Und bis dahin heißt es: ganz vieeeeel Lippenstift. Viel hilft in diesem Falle wirklich viel. Und sonst? Abwarten und Tee trinken. Denn sind wir mal ehrlich, mehr kann man nicht tun.

Und nun Mädels, lasst uns zusammen müde sein.

Cheers. {Anstoßen mit Apfelschorle}


Dieser Beitrag hat 18 Kommentare

  1. Kenne ich. Und ich stille gar nicht mehr. Und ich bin trotzdem sooo müde. Meine Maus trinkt nachts noch ein Fläschchen und morgens ist sie um 6 wach. Sie schläft neben mir und ich wache vob jedem Geräusch auf… die Tage mit zwei Kindern und Haushalt schlauchen so enorm. Wenn man dann nicht mal nachts Ruhe bekommt ist das einfach nur anstrengend. Aber da ich schon ein älteres Kind habe, weiß ich auch dass es besser wird…

    1. Ohja…ich kenne es auch von jedem geräusch aufzuwachen….und ganz nebenbei ja noch vollzeit zu arbeiten….

  2. Du schreibst mir aus der Seele. Ich bin sooo bei dir😴

    1. Es tut doch sehr gut, zu wissen, dass wir viele sind. 🙂

  3. Witziger Text! Mehr davon 😊

    Ich bin da vollkommen bei dir! Stillend und müde…

    1. Ich danke dir für die lieben Worte, das freut mich! 🙂

      Uns allen mehr Schlaf!

  4. „Es ist bewiesen, dass bei Frauen, die stillen vorübergehend das Hirnvolumen abnimmt.“ Jetzt kann ich etwas beruhigter schlafen gehen 😉 Ich kenne es nur zu gut… das Stillen, viel! Den Schlafmangel und das „wo habe ich das nur hingelegt….“

    Habt eine gut Nacht!

    1. liebe Frauke,

      sie hatte noch ein paar Zahlen genannt und das ist schon echt enorm, was der weibliche Körper da so unter der Schwangerschaft und Stillzeit macht. Irre. So faszinierend es auch ist, ein wenig Schlaf wäre dennoch schön. 😀

      Ich geh dann mal mein Auto suchen, hahaha.
      Nein, zum Glück weiß ich heute, wo es steht.

      Hab einen schönen Tag,
      Janina

  5. Ich hab vorhin zu meinem Mann gesagt, dass ich heute mit den Kindern ins Bett gehe, weil ich ja auch irgendwann mal schlafen muss. Wenig später stand ich Kuchen mümmelnd in der Küche – man muss halt Prioritäten setzen 😄
    Irgendwann klappt das wieder mit dem Schlafen, die Hoffnung stirbt zuletzt ☺️

  6. Ha, das mit dem Auto passierte mir auch regelmäßig, als wir den Anwohnerparkausweis noch nicht hatten und noch nicht vor der Tür parken konnten.
    Das passierte aber auch nicht stillend. Glaube ich. Ich hab vergessen, wie es war 😅.

  7. Toller Text und ich verstehe es total!!!

  8. Hier, ich auch!
    Allerdings mit dem ersten Kind und dadurch dem Luxus sich mittags auch mal eine Stunde zum schlafenden Baby zu legen, wenn die Nacht zu unruhig war. Ok, wenn ich darüber nachdenke, habe ich das 3x in 4 Monaten gemacht, aber alleine die Option hilft ja.
    Und am Wochenende steht mein Mann manchmal schon mit dem Kleinen auf und ich falle nochmal 60-90min (der aktuelle Bärenhunger-Stillabstand) in tiefen Schlaf, da ist der Tag gleich viel leichter 😉

  9. Ach Janina, du sprichst mir aus der Seele.
    Genauso ist es im Moment auch. Umso schöner, dass wir Mamis nicht allein damit sind. Es ist ein beruhigendes Gefühl, nicht allein damit auf der Welt zu sein. Denn allzu häufig passierte es mir zuletzt, dass ich so viel Unverständnis geerntet habe. Meiste eben von Nicht-Mamas, denen man es auch schwierig erklären kann. „ ich bin einfach nur müde“ lautet stehts meine Antwort 🙈
    Aber die Zeit kommt nie wieder mit den kleinen Mäusen, also abschalten und genießen 💕

    Alles Liebe!

  10. Hallo, du beschreibst genau unsere Situation viiiiiel stillen, wenig Schlaf und gaaaanz viel Stilldemenz 😴

  11. Lasst uns zusammen müde sein! 🙂 Da muss ich grinsen, während meine Maus (übrigens auch eine Vieltrinkerin) seelig auf mir schläft… hätte sie auch im Bett machen können aber nein, bei Mama ist viel schöner…. nun sitz ich hier auf der Couch während mein Kaffee irgendwo steht (hallo Stilldemenz) und kalt wird aber dein Text lässt mich breit grinsen. Da sitzen einige Mädls im selben Boot!
    Vielen Dank für diese schöne Aufmunterung am Morgen <3

  12. Ich bin grade so dankbar für diesen Beitrag meine Liebe😚grade erst sitze ich bei meinem Kaffee und warte, dass die Wirkung irgendwann vielleicht kommt 🙈☕️Der kleine Mann hat mich die letzten 7,5 Monate schon schlecht oder kaum schlafen lassen, aber seit ein paar Tagen ist es ganz besonders schlimm, mit Schrei Phasen zwischendurch 😢und dann bekommt man von allen Seiten den Hieb, grade von der älteren Generation, dann musst du mit dem stillen aufhören, dann schläft er auch 🙈😡nein ich höre nicht auf, auch wir sind in der Beikosteinführung und ich habe mir vorher nie Gedanken darüber gemacht, wie lange ich stille, nun weiß ich, so lange es der kleine Mann eben braucht 💕❤️Meine Brust ist, wie meine liebe Hebamme so schön sagt, Heimat und Hafen und das genieße ich sehr⚓️👌🏻Dann eben viel Make-up und auffällige Outfits dann sieht Frau nicht so müde aus 😉

  13. Danke für den tollen Beitrag 🙂
    Endlich mal eine Frau die offen darüber redet ,das es nicht immer alles so läuft wie geplant und die Müdigkeit uns manchmal übermannt

    Liebe Grüße an alle Mamas da draußen den es aus so geht 🤗

    Ps. Das Kleid ist ja sooooo toll , wo gibt es das ?😉

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